Montag, 26. Januar 2015

Das Ende von Auschwitz Birkenau – nicht das Ende des Antisemitismus

B"H

Morgen vor genau 70 Jahren wurde das Todeslager Auschwitz Birkenau von russischen Soldaten befreit.

Der ständige Vertreter Israels bei den Vereinten Nationen, Botschafter Ron Prosor, hat bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz eine Rede gehalten.

„Heute begehen wir 70 Jahre seit der Befreiung von Auschwitz. Primo Levi, ein italienischer Jude, der Auschwitz überlebt hat, schrieb: ‚Ich bin immer wieder überwältigt von der Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen.‘

Der Holocaust war ein Zeitalter der Gräuel und der Straflosigkeit. In den Jahren darauf glaubten die Menschen, dass wir zivilisierter und sensibilisierter geworden sind – dass all diese Gräuel uns nie wieder heimsuchen würden. Und dann kamen Kambodscha, Ruanda, Darfur und Bosnien.

Die Geschichte hat uns gezeigt, dass es immer Menschen geben wird, die glauben, dass das Leben Einiger weniger Wert ist als das Anderer, wegen ihrer Nationalität, wegen ihrer Ethnie, wegen ihrer Herkunft. Sie verstehen nicht, dass, während wir vielleicht nicht Brüder und Schwestern im Glauben sind, wir doch ein gemeinsames Schicksal haben – wir sind verbunden, weil wir der Menschheit angehören.

Der Holocaust hat nicht bei den Ghettos und Konzentrationslagern angefangen; er hat damit angefangen, dass Juden herabgewürdigt und entmenschlicht wurden. Die Nazis haben die Juden enteignet, sie haben ihnen erst ihre Würde und dann ihr Leben genommen. Die gleiche Gleichgültigkeit gegenüber jüdischem Leben sehen wir heute.

Der Terrorist, der vor zwei Wochen vier Juden in einem Pariser Supermarkt ermordet hat, hat Yoav Hattab nicht als jemandes Bruder gesehen oder Yoav Cohen als jemandes Freund, oder Philippe Braham als jemandes Ehemann oder François-Michel Saada als jemandes Vater. In seinen Augen waren sie weniger als Menschen, und er tötete sie kaltblütig.

Siebzig Jahre nach dem Holocaust leben europäische Juden wieder in Angst. Sie werden auf den Straßen angegriffen, weil sie eine Kippa tragen, ihre Geschäfte werden beschädigt, Bomben werden auf Synagogen geworfen. Europa befindet sich in einer wahren Epidemie des Antisemitismus.

Im vergangenen Sommer gab es einen Ausbruch gewalttätiger Proteste im Zuge des Konfliktes zwischen Israel und dem Gazastreifen. In Frankreich wurden jüdische Betende in einer Synagoge von einem wütenden Mob umzingelt, der für sich in Anspruch nahm, gegen die Politik der israelischen Regierung zu protestieren.

Lassen Sie es mich noch einmal betonen: Die Demonstrierenden haben sich nicht entschieden, vor der israelischen Botschaft oder einem Ministerium zu protestieren; ihre Angriffe galten Juden in einer Synagoge. Dies war kein Ausdruck legitimer Kritik oder von Meinungsfreiheit – dies ist die jüngste Inkarnation des ältesten Hasses der Welt.

Hier bei den Vereinten Nationen, in dieser Institution, wird Israel immer wieder für Angriffe herausgegriffen. Diese Angriffe mögen als Kritik an der israelischen Politik getarnt sein, doch oft genug offenbaren sie eine Einseitigkeit, die in dieser Institution sehr tief sitzt.

Bedenken Sie nur das Folgende: Es gibt 20 Mal mehr Resolutionen des Menschenrechtsrates, die gegen Israel verabschiedet wurden, als im Vergleich mit allen anderen Ländern der Welt. Dies ist weder logisch noch moralisch vertretbar. Staatsoberhäupter und Botschafter standen hier in dieser Institution und verglichen Israel mit Hitler und den Nazis. Dies ist keine legitime Kritik.

Als Sie heute morgen hier hereinkamen, sind Sie an den Fahnen aller 193 Mitgliedsstaaten vorbeigekommen. Darunter sind 25 Flaggen mit einem Kreuz, 15 mit einem Halbmond und nur eine einzige mit einem jüdischen Davidstern.

Für einige Menschen und einige Nationen ist ein jüdischer Staat schon einer zu viel. Ihnen wäre es lieber, wenn die Juden wieder zerstreut, heimatlos, verfolgt und schutzlos wären.

Die Leute sprechen über das israelische Recht auf Selbstverteidigung, aber wenn jüdisches Leben in Gefahr ist und Israel handelt, um es zu verteidigen, werden wir von allen Seiten angegriffen. Zu lange waren wir der Kanarienvogel der Menschheit in der Kohlemine. Nicht mehr!

Heute haben wir einen starken Staat Israel, der Tag und Nacht Wache steht. Abba Eban, der frühere Außenminister hat die Schlagseite gesehen und gesagt: ‚Es ist besser, nicht gemocht zu werden, als bedauert.‘ Er hatte recht.

Israel ist die einzige echte Demokratie im Nahen Osten. Es ist das einzige Land in der Region mit einer freien Presse, freien Wahlen und Redefreiheit. Und es ist die einzige Nation, die die Rechte von Frauen und Minderheiten verteidigt. Wir werden diese Werte immer verteidigen. Immer. Und wenn wir in diesem Prozess nicht gemocht werden, dann ist es halt so.

Die Alternative – bedauert zu werden – ist nicht länger eine Option für uns. Israel wird nicht mehr auf sein Recht verzichten, den jüdischen Staat und das jüdische Volk zu verteidigen.

Ein jüdisches Sprichwort sagt:
‪ מָוֶת וְחַיִּים, בְּיַד-לָשׁוֹן
‚Tod und Leben liegen beide in der Macht der Zunge.‘

Ich schaue mich in der Welt um und sehe politische Führer, die erklären, es sei ihre ‚heilige Pflicht‘, die Ungläubigen zu ermorden. Ich sehe religiöse Führer, die erklären, dass Homosexuelle weniger wert sind als Menschen. Und ich sehe Lehrer, die Kinder ermutigen, Märtyrer zu werden, wenn sie groß sind.

In Klassenräumen und Gebetshäusern überall auf der Welt werden Kinder Gewalt anstelle von Toleranz und Märtyrertum anstelle von gegenseitigem Verständnis gelehrt.

Zu viele schweigen schon zu lange. Aus Angst davor, nicht politisch korrekt zu sein, haben Nationen gezögert, klar und deutlich die Wahrheit auszusprechen.

Einige Menschen behaupten, für liberale Werte zu stehen, aber aus ihren Elfenbeintürmen können sie nicht sehen, dass Extremisten die Menschenrechte dazu nutzen, menschliche Wesen zu missbrauchen. Sie nutzen das Recht auf freie Rede, um die freie Rede zu missbrauchen. Und sie nutzen die Medien, um Journalisten zu missbrauchen.

Wenn man den nächsten Massenmord verhindern will, dann kann es keine Zweideutigkeit oder Ausflüchte geben – man muss es aussprechen, wie es ist. Radikale Islamisten sind die größte Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit in der Welt.

Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass wir eine Verantwortung haben. Wir haben die Verantwortung, für die Werte zu kämpfen, an die wir alle glauben. Extremisten greifen Menschenrechte und die menschliche Würde an, und wir tun nicht genug, um sie aufzuhalten.

Die Gefahr der Gleichgültigkeit und die Konsequenzen des Nicht-Handelns sind einfach zu hoch. Wir müssen zusammenstehen und erklären, dass es null Toleranz gegenüber Vorurteilen geben kann. Es darf null Toleranz dafür geben, Kinder zum Hass zu erziehen. Und es darf null Toleranz für Extremismus geben.

Herr Präsident,

Die Vereinten Nationen sind aus der Asche des Holocaust erstanden, um für Menschlichkeit einzustehen. Es ist eine Verantwortung, die jeder einzelne von uns jeden Tag bei sich trägt. Der Holocaust hat uns gelehrt, dass Gedenken ohne Handeln bedeutungslos ist. Und er hat uns gezeigt, das Bewusstsein mit Aktion gepaart werden muss.

Wir haben die Pflicht zu handeln [engl. to act]: A-C-T. A: Wir müssen aufmerksam sein und die Warnzeichen erkennen. C: Wir müssen all jene verurteilen [engl. to condemn], deren Handeln durch Vorurteile motiviert ist. Und T: Wir müssen die nächste Generation Toleranz und Verständnis lehren [engl. to teach], lehren und nochmals lehren.

Wir müssen mutig und entschlossen zusammenstehen, um unsere Freiheit zu verteidigen, unsere Werte zu schützen und die Mächte zu konfrontieren, die uns diese nehmen wollen. Nur dann können wir die Worte ‚nie wieder‘ sprechen und wissen, dass diese Worte eine Bedeutung haben.

Vielen Dank.“

Übernommen von der Seite der Botschaft des Staates Israel in Berlin


Montag, 12. Januar 2015

Der Winter fand woanders statt....

B"H

Vor ca. einer Woche begann der alljährliche Hype, der den kurzen Wintereinbruch in Israel Jahr für Jahr ankündigt.

Jerusalem Dezember 2013


Zugegeben, 2013 hatte es vor allem Jerusalem heftig erwischt, statt der schönen Bilder, die wir sonst in jedem Jahr frei Haus geliefert bekommen, mit Mini Schneemännern vor der Klagemauer, langlaufenden Pejesträgern, Kindern die ihren schulfreien Tag geniessen und gerutschten Autos, die irgendwie seltsam verquer in den Strasssen stehen, gab es dramatische Bilder: Autofahrer, die stundenlang auf der Strasse zwischen Tel Aviv und Jerusalem festhingen, die in den Wagen gestrandeten Fahrer ohne wärmenden Tee oder Decken, abgebrochene Äste, umgefallene Bäume, Ambulanzwagen, die nirgendwo mehr durchkamen und provisorische Nachtlager für die, die es gerade noch geschafft hatten, irgendein sicheres Ziel zu erreichen.

Unsere Regierung, wild entschlossen, heuer im Wahljahr alles ganz anders, alles viel besser zu machen, zauberte daher beim ersten Nahen der Unwetter, die da auf das Land zukamen, Notfallpläne aus den Schubladen.


Zuviel Regen brachte den Regenradar zum Erliegen
Das vorerst letzte Regengebiet

PM Netanjahu begab sich selbst in die Kommandozentrale der Krisenzentrale und überwachte persönlich die Massnahmen. 

Spezielle 4 x 4 Einsatzfahrzeuge standen bereit und sollten helfen, Autofahrern in Notlagen schneller helfen zu können. Wer die Strasse 1, auf der man sich nach Jerusalem hinaufquält kennt, der weiss, dass knapp vor dem ultimativen Anstieg die Strasse in einer steilen Linkskurve nach unten verläuft, um sich dann gleich anschliessend wieder steil nach oben zu schrauben.  Nicht zu Unrecht gibt es die Warnschilder, man möge doch bitte einen niedrigen Gang einlegen. Wenn da die sommerbereiften Autos hängen, dann helfen auch keine 4 x 4 Einsatzwagen mehr. Die Gesetze der Physik gelten auch im Hl. Land!

Die Polizei bereitete sich darauf vor, nicht nur die Zufahrtsstrassen um Jerusalem frühzeitig zu sperren, sondern auch die im Norden des Landes.

Die Supermärkte verzeichneten in der vergangenen Woche Rekordumsätze, Rami Levy, nicht gerade mein persönlicher Favorit, aber der grösste im Land, sprach von einem Umsatzplus von 250%.

Üblicherweise bleiben, mangels Kunden die Einkaufszentren in den betroffenen Gebieten geschlossen, Rami Levy witterte aber wohl das Jahrhundertgeschäft, und versprach, alle Filialen durchgehend offen zu halten. Ich frage mich nur, woher er die Nachlieferungen bekommen wollte, traut man dem Bild, so dürften die Regale doch recht bald leer gewesen sein.

Rami Levy in Talpiot


Die Kinder von Jerusalem, dem Norden und dem WJL freuten sich, es gab schulfrei, zunächst einmal nur für zwei Tage.

Am Golan, vor allem im Skigebiet des Hermon standen die Schneeräumgeräte bereit, um die Strassen wieder freizuschaufeln, sobald das Ärgste überstanden sein würde. Denn, business as usual, was gefällt meinen Mitbürgern, vor allem den nicht mehr ganz neuen Neueinwanderern aus den USA besonders gut? Skifahren!!

Oder, wie Wolfgang Ambros so herzerfrischend knarzt – meine Hommage an meine österreichische Heimat: Schifoan 



Ein ganzes Land hatte getan, was möglich war, um dem kalten, nassen und lästigen Wintereinbruch gegenüber bestens gerüstet zu sein.

Der Tag X kam, aber es kam kein Schnee. Was kam, war der Staub. Am vergangenen Dienstag war die Belastung durch Staub vor allem in den südlichen Landesteilen so hoch, dass eine allgemeine Warnung ausgegeben wurde, den Aufenthalt ausserhalb von Häusern zu meiden. Und dann kamen die Sandstürme.

Sandsturm in Be'er Sheva


Während der Süden unter der extremen Luftverschmutzung litt, bekam der Norden wirklich den versprochenen Schneefall. Auf dem Hermon waren es am (vorläufigen) Ende des Wintereinbruches sagenhafte 1,1 m Schnee. Mit minus 14,2° wurde gestern ein neuer Kälterekord geschrieben! Davon können heute die meisten Skigebiete in Österreich nur träumen. 

Auch in anderen nördlichen Gebieten des Galil fiel Schnee. Profitieren wird davon hoffentlich der Kinneret, dessen Werte sich bisher im Laufe des Winters noch kaum nach oben bewegt haben. 

Wie in jedem Jahr, brach die Stromversorgung zusammen, besonders betroffen davon waren, wie meist, die Städte entlang der Küste.

Ansonsten kann man über den Winter 2014/15 bisher sagen: viel Lärm um nichts, Jerusalem wurde nur leicht angezuckert, gefährlich war weniger der Schneefall, als das Blitzeis, das einige Strassen kurzfristig in spiegelglatte Flächen verwandelte.

Aber, schön sieht so ein Wintertag in der Levante allemal aus, deshalb hier auch einige Bilder:


Beit Jala bei Hebron



Ein Drusenort auf dem Golan

Efrat im WJL

Auf dem Golan

 
Eisschwimmen in Hebron

Ein seltener Fuchs

Der Golan

Hirsch auf dem Golan

Die Hügel von Jerusalem

Das Montefiori Quartier in Jerusalem


Gut  "behutet" an der Kotel

Kuh im Galil

"Frommer Schneemann" bei Sfad

Mitten im Negev

Präsident Rivalin verteilt Tee an die Grenzsoldaten

Unwetterwolken über Ramat Gan

Regenbogen am Hafen von Haifa

Sessellift am Hermon

Snowboarder am Hermon



Donnerstag, 8. Januar 2015

Je suis Charlie!!!

B"H


Als Charlie Hebdo im Jahr 1992 als Comic auf den französischen Markt kommt, ist der Name noch lange nicht Programm: Charlie Brown von den Peanuts stand Pate, was das Satiremagazin nicht wirklich in das Resort der Polit Satie hineindefinierte. Hebdo ist die Kurzform für das französische „wöchentlich“.

Vorgänger von Charlie Hebdo war „L’hebdo Hara-Kiri“. Dieses Monatsjournal mag mit seinen respektlos-frechen Kritiken an der  Politik de Gaulles durchaus geeignet gewesen sein, die Studentenunruhen 1968 zu unterstützen. Immer wieder wurden einzelne Nummern zensuriert.

Für den feinen Humor der Journalisten spricht auch das Wortspiel „kiri“ „qui rit“ – der lacht. Welch journalistische Finesse!

Der endgültige Todesstoss des Journals war das Titelblatt anlässlich des Todes von Charles de Gaulle:



Das Innenministerium verbot das Magazin mit sofortiger Wirkung.

Aber ein Politsatire Blatt hätte keine Existenzgrundlage, wenn es sich nicht neu definieren und erfinden könnte.

Et voilà, es war die Stunde der Geburt von Charlie Hebdo. Bleibt die Frage, ob Charlie vielleicht gar nicht Charlie Brown ist, sondern ein anglisierter Charles...

2011 kam es zu einem Brandanschlag auf das Redaktionsgebäude, nachdem das Magazin die Mohammed Karikaturen der dänischen Jyllands Posten nachgedruckt hatte.

Seit diesem Anschlag stand das Redaktionsgebäude unter Polizeischutz. Doch der reichte bei Weitem nicht aus, wie Publizist Peter Rothenbühler heute Abend in 10 vor 10 im Schweizer Fernsehen betonte.

Er sei, so sagte er, enttäuscht von den Sicherheitsmassnahmen für die Redaktion. Weder sei die Eingangstüre entsprechend gesichert gewesen, noch sei das Redaktionsteam angewiesen worden, ihre wöchentlichen Sitzungen nicht im Erdgeschoss abzuhalten.

Jeder Bankeingang in Frankreich sei besser abgesichert, in das Redaktionsgebäude hätten die Terroristen einfach hineingehen können.

Die letzte Karikatur wirkt vor dem Hintergrund des heutigen Geschehens makaber, es ist die letzte aus der Feder des Herausgebers von Charlie Hebdo.

Immer noch keine Attentate in Frankreich? - Geduld, bis
Ende Januar kann man seine Wünsche noch anbringen!


Insgesamt starben zwölf Menschen bei diesem Terrorakt, einige weitere sind schwer verletzt und kämpfen noch um ihr Leben.


Bernhard Verlhac
Stephane Charbonnier
Georges Wolinski
Jean Cabut


Die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Satire gehören zu den kostbarsten Gütern jeder Demokratie. Durch einen Anschlag wie den heutigen wird beides mit Füssen getreten und jeder Einzelne ist aufgerufen, das Seine dazu  beizutragen, diese abscheulichen und undemokratischen Attacken bereits im Keim zu ersticken.