Samstag, 18. Mai 2013

Masada wird nicht wieder fallen

Es mag hilfreich sein, den 1981 an Originalschauplätzen gedrehten Film gesehen zu haben, um zu verstehen, welches Drama sich im  Jahr 74 C.E. am Westufer des Toten Meeres abspielte. Während sechs Stunden versuchen uns Peter O’Toole als Lucius Flavius Silva und Peter Strauss als Eleasar Ben Yair davon zu überzeugen, dass alles hätte gut werden können, wenn sie sich nur gegenseitig genug vertraut hätten.
Sie konnten es nicht. Der seines Auftrages müde römische Truppenkommandant und der Widerstandskämpfer machen sich gegenseitig das Leben in dieser unwirtlichen und gleichzeitig faszinierenden Landschaft am tiefsten Punkt der Erde schwer.
 
Die tragische Geschichte nahm ihren Lauf.
 
Das Tote Meer, auf Hebräisch המלח  ים, Jam HaMelach, das Salzmeer und auf Arabisch ‏ الميّت‎ البحر,  Al-Bahr al-Mayyit,  das Tote Meer genannt, verpasste im vergangenen Jahr knapp die Aufnahme in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Verdient wäre dieses Auszeichnung allemal.
Was durch Erdbeben und anschliessende Plattenverschiebungen vor ca. 1.500.000 Jahren im Jordanbecken zwischen dem Jam Kineret im Norden und dem Roten Meer im Süden entstand, ist einmalig.
Wer sich im Süden von Arad aus der Uferstrasse nähert, überwindet eine Höhendifferenz von 900 m, etwas weniger macht der Höhenunterschied aus, wenn man im Norden von Jerusalem her kommt. Je nach Tageszeit schimmert die Meeroberfläche zwischen hellem Türkis bis fast Schwarz. Das Wasser gleicht, von oben betrachtet, einem halbflüssigen Gel.
Das  Moab Gebirge begrenzt die Jordanische Seite, auf Israelischer Seite wölbt sich die Judäische Wüste hoch auf. Beide Gebirgszüge wurden in Folge von Erdbeben aufgeworfen, während gleichzeitig die Talsohle, das Jordanbecken, mehr und mehr absackte. Während vieler Jahrtausende war das Jordanbecken gefüllt mit einem riesigen See, der, wie Geoforscher herausfanden, vor ca. 13.000 Jahren versandete und das übrig liess, was wir heute als „Totes Meer“ kennen.
Die Afrikanische und die Asiatische Kontinentalplatten treffen hier aufeinander schieben sich konstant aneinander vorbei, so dass es immer wieder zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Erdbeben kommt. Gleichzeitig ist das Gebiet Teil des syrisch-ostafrikanischen Grabenbruchs.
 
Die Topografie rund um Masada dürfte sich seit der Zeit des Herodes (73 bis 4 B.C.E.) nicht mehr stark verändert haben.
 
Der solitäre Felsstock Masada, מצדה , (Metzuda, Festung) erhebt sich zwischen den beiden Oasen Ein Gedi und Ein Bokek auf 450 m über die Wasseroberfläche des Toten Meeres. Das Hochplateau umfasst eine Grundfläche von 650 x 300 Meter.
Wie so viele andere strategisch wichtige Befestigungsanlagen dieser Zeit liegt auch Masada an wichtigen antiken Verkehrswegen: Von Jerusalem ans Rote Meer und von Jerusalem nach Ostjordanien.
 

Plan der Festungsanlagen
 
König Herodes liess die Bergfestung als Winterresidenz und Fluchtort ausbauen. Die Ruinen lassen heute noch zwei prächtige Palastanalgen, Lageräume, Schwimmbecken, Thermen,  Wasserversorgungssysteme und Kasematten erkennen, die Zeugnis ablegen, mit welchem Luxus sich Herodes und sein Hofstaat umgab. Die Versorgung des Hochplateaus erfolgte über zwei Wege: den Schlangenpfad auf der Ostseite und den Zelotenpfad auf der Westseite. Durch die hoch aufragende Einzellage war Masada sehr gut zu verteidigen.
 
            
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
                       
  
               
 
                 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dank den Aufzeichnungen von Josefus Flavius können wir heute noch nachvollziehen, welches Drama sich im Jahr 74 CE dort ereignete.
Zur Zeit des grossen Jüdischen Krieges gegen die Vormachtstellung der Römer in Judäa flohen zahlreiche Widerstandskämpfer nach Masada. Anzunehmen, dass die dort lebenden Menschen nur einer Gruppe angehörten, wie man zunächst meinte, stellte sich auf Grund der gefundenen archäologischen Funde als irrige Annahme heraus. Neben den Sikariern, einer militanten Gruppe der Zeloten, lebten auf der Festung auch Essener und Samariter. Als im Jahr 70 CE Jerusalem den Römern endgültig zum Opfer fiel und der 2. Tempel zerstört war, floh als einer der letzten Freiheitskämpfer Eleasar Ben Yair mit seiner Familie und seinen Freunden nach Masada.
Er wurde der letzte Festungskommandant.
Für einige wenige Jahre lebte die Gruppe auf dem Felsplateau in relativer Ruhe. Die von Herodes gebauten Gebäude, Lagerräume und Wassersysteme konnten genutzt werden, neue Gebäude kamen hinzu.
Cisterne
Ein ehemaliges Lagerhaus wurde zur Synagoge umgebaut, Ritualbäder wurden eingerichtet. Wasser, auch natürlich fliessendes, gab es dank der ausgetüftelten Wassersysteme während des ganzen Jahres genug. Die beiden Taubentürme wurden reaktiviert, die Tauben dienten zur Nahrung, ihr Kot als Dünger. Was von aussen herangeschafft werden musste, wurde über den Schlangenpfad auf Maultieren und von Trägern herbeitransportiert. Schwerere Lasten, so auch Kühe, wurden über spezielle Kranvorrichtungen über die Mauern gehievt.
 

Schlangenpfad
Bis  im Jahr 74 eine Legion unter  dem Kommando von Lucius Flavius Silva von Jerusalem nach Masada marschierte, um die letzten Aufständischen zur Aufgabe zu zwingen. Oder, falls dies nicht gelingen sollten, sie zu besiegen und zu versklaven.
 
Rund um den Felsstock und heute noch gut erkennbar, legten sie insgesamt acht Lager an. Vier Lager umfassten jeweils 2000 Soldaten, in den anderen, kleineren Lagern lebten Priester, Berater, Hilfstruppen,  jüdische Sklaven und natürlich auch die nicht aus dem Lagerleben wegzudenkenden Frauen. Römische Standlager folgen alle einem strikten Aufbau, der ohne Notwendigkeit nicht geändert wurden, um die straffen Abläufe und Befehlswege nicht zu stören. Insgesamt lebten in  den Lagern 12.000,  in der Festung  ca. 1.000 Menschen, ungleicher kann ein Kräfteverhältnis nicht sein. Heute spricht man bei einer solchen Konstellation von einem asymmetrischen Kampf.
 

Römisches Feldlager
Während der ersten Monate der Belagerung sah es trotzdem danach aus, als würden die Römer vor einer unlösbaren Aufgabe stehen.
Die Römer begannen zunächst damit, einen Wall um den Feststock aufzubauen, was den Nachschub an Lebensmitteln erheblich erschwerte.
Im siebten Monat des jüdischen Jahres, im Nisan, der ca. Mitte März beginnt und in den auch das Pessach Fest fällt, begannen die Römer damit, von der Westseite her, in Weiterführung des Zelotenpfades eine Belagerungsrampe zu bauen. Tag für Tag wuchs damit die Gefahr der Eroberung.  Die Lage der Belagerte wurde immer aussichtsloser. Je höher die Rampe wuchs, desto mehr Anstrengungen unternahmen sie, die Befestigungen innerhalb der Mauern zu verstärken.
 
Die Römer begannen Brandfackeln auf den neuen hölzernen Schutzwall zu schiessen und diesen in Brand zu setzen. Am Tag darauf gelang den Soldaten den Durchbruch mit Hilfe eines Rammbockes. Es war der erste Abend des Pessachfestes.
 

Reste der Rampe und Zelotenpfad
Masada, die letzte Bastion des Jüdischen Aufstandes gegen die Römer, war gefallen. Das Schicksal der knapp tausend Menschen schien besiegelt zu sein: die Männer würden getötet werden, entweder sofort oder bei den in Rom so beliebten  Gladiatorenkämpfen. Den Frauen stand ein Schicksal als Sklavin oder Trosshure bevor. Die Kinder würden wahrscheinlich ebenfalls ihre  Freiheit auf dem Sklavenmarkt beenden.
Nachdem der Durchbruch knapp vor Einbruch der Dunkelheit geschah, zogen sich die Römer in ihre Lager zurück.
Eleasar ben Yair wandte sich ein letztes Mal an seine Freunde:
„Vor langer Zeit haben wir beschlossen, niemals Sklaven Roms zu werden, oder uns einer anderen Macht als der Mach Gottes zu unterwerfen. Nur er ist der wahre und einzige Herrscher der Menschheit. Jetzt ist die Zeit gekommen, uns dieser Wahrheit zu beugen. Wir waren die ersten, die revoltiert haben und wir sind auch die letzten, sich gegen sie zu erheben. Ich kann es nur als Bevorzugung durch Gott ansehen, dass er uns mit der Entscheidungsfreiheit ausgestattet hat, tapfer und als freie Menschen zu sterben.“
Eleasar ben Yair und seine Freunde wählten den Tod.
Sie wählten zehn Männer aus, die allen anderen töteten. Die zehn Überlebenden schrieben ihre Namen auf Tonscherben. Der, dessen Name gezogen wurde, musste die traurige Pflicht erfüllen, zunächst die neun anderen und dann sich selbst zu töten. Die Lose wurden später alle gefunden.
 
So geschah es.
Als die Römer am kommenden Tag in die eroberte Festung eindrangen, fanden sie die Leichen und die Tonscherben.
 

Tonscherbe mit dem Namen Eleasar Ben Yair
 
Zwei Frauen und einige Kinder hatten sich offensichtlich des kollektiven Selbstmordes entzogen und konnten den Soldaten berichten, was in der letzten Nacht innerhalb der Festungsmauern  vor sich gegangen war.
Warum war dieser Sieg über die letzten revoltierenden Juden den Römern so wichtig? Es war der zähe und nicht endende Kampf gegen die römische Übermacht, der sich über Jahre hinzog und doch nie zu einem klaren Sieg der Besatzer führte. Zu stolz, zu ungebeugt waren die Juden.
Die Römer, an schnelle Erfolge gewöhnt, mussten, wenn sie ihr Gesicht gegenüber Rom nicht verlieren wollten, ein Beispiel statuieren. Doch statt fast 1000 Sklaven im Triumphzug durch die Strassen Roms zu führen, mussten sie einsehen, dass ihr Sieg nicht der war, den sie erhofft hatten. Die Juden hatten zwar alles verloren, aber waren sich selber treu geblieben. Ein bitterer Sieg für den Erfolg verwöhnten Kommandanten Lucius Flavius Silva!
 
Masada verfiel im Laufe der kommenden Jahrhunderte.
Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Freiheitskampf wieder in das Bewusstsein der jüdischen Welt gerückt, als das Gedicht „Masada“ von Isaac Lamdam die Widerstandskämpfer im Warschauer Ghetto bei ihrem Aufstand moralisch unterstützte. Masada wurde das Symbol für die Träume junger Zionisten vor allem in Europa, die zusehends unter dem aufkommenden Judenhass zu leiden hatten und die Masada als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit sahen. Und dies, obwohl der Kampf der Freiheitskämpfer doch mit deren kollektivem Selbstmord geendet hatte.
In den 60er Jahren begannen erste Ausgrabungsarbeiten unter der Leitung vom ehemaligen General Yigael Yadin, sie sind bis heute noch nicht ganz beendet.
Masada und die tragischen Vorkommnisse im Jahr 74 CE stehen heute wie damals für den ungebrochenen Freiheitswillen des Jüdischen Volkes. Die Synagoge, erbaut von den belagerten Juden, ist heute wieder vermehrt ein Ort, an dem Bar Mitzwot und Bat Mitzwot gefeiert werden.
Der immer wieder gehörte Schlusssatz aus Lamdams Gedicht: „Masada darf nie wieder fallen!“ fasst zusammen, was zionistische Juden weltweit und in Israel eint: nie wieder Fremdherrschaft, weder politisch, noch religiös!
 
 
 
Sonnenaufgang über Moab

Samstag, 4. Mai 2013

Obama erteilt eine Lehrstunde über den Zionismus

ב"ה
 
 
Bei aller Obama Schelte in den Print- und Onlinemedien, vor allem aber auch in vielen, auch deutschsprachigen Blogs, tut es gut, einmal eine ganz andere Meinung zu lesen.
Die ehemalige Knesset Abgeordnete Dr. Einat Wilf hat einen wunderbaren Artikel geschrieben, den ich hier fand und mit ihrer Bewilligung weitergeben möchte.
Der nachfolgend fett geschriebene Text entspricht dem von mir übersetzten Originaltext.
In den internationalen Medien wurde viel geschrieben über Obamas Appell an die Israelis, Frieden zu suchen, insbesondere über seine Rede vor den Studenten. Vielleicht liegt die größere Bedeutung des präsidialen Besuches jedoch darin, dass die gesamte Reise als Intensivkurs über Zionismus 101 verstanden werden kann.
Zionismus 101 ist ein online Portal, das in kurzen Videoeinheiten, die zumeist auf Originaldokumenten basieren, die Geschichte des Zionismus präsentiert. Zielgruppen dieses Portals sind, laut eigener Aussage, all jene, denen es zu mühsam ist, sich durch das bisher bekannte, oft zu wenig strukturierte Material zu arbeiten und sie mit authentischen Informationen zu versorgen.
Zu einem Zeitpunkt, da der Türkische Premierminister Zionismus als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet, und die New York Times sich als Plattform anbietet, diese Ansicht  zu untermauern, erinnert der liberal denkende Obama die Welt daran, dass die Grundlagen und die Natur des Zionismus das Werkzeug für Befreiung und Selbstbestimmung sind.
Dass liberal in Europa nicht gleichbedeutend mit  liberal in den USA ist, ist mir spätestens klar, seit während des letzten US Wahlkampfes die Wellen der politischen Diskussionen über dieses Wort über das Abendessen an meinem eigenen Tisch hinwegschwappten wie ein Tsunami.
Einat Wilf benutzt das Wort im Sinne der europäischen Politkultur.
Er tat es mit Worten. Er tat es mit Gesten.
Unmittelbar nach der Landung in Israel betonte Obama, dass die Schaffung des Staates Israel in der, manchmal verleugneten historischen Verbindung zwischen dem Jüdischen Volk und dem Land Israel verwurzelt ist. „Ich weiß, dass ich, sobald ich meinen Fuß auf dieses Land setze“, sagte er, „mit Ihnen auf dem historischen Heimatland des Jüdischen Volkes gehe. Vor mehr als 3000 Jahren lebte das Jüdische Volk hier, kultivierte dieses Land, betete hier zu Gott.“ Später unterstrich Obama die Bedeutung seiner Worte, als er die Schriftrollen vom Toten Meer besichtigte. Er wollte diese antiken biblischen Texte selber sehen, die in Hebräisch geschrieben und in Israel entdeckt wurden.
Dass Obama weder vor der Knesset sprach, noch die Klagemauer besuchte, wurde ihm mancherorts vorgeworfen.  Vielleicht ist es manchmal durchaus sinnvoll, den Kopf von vorgefassten Bildern frei zu machen. Warum gibt es in den Köpfen so vieler Menschen, die nicht einmal in Israel leben, aber glauben, es zu wissen, ein genaues Bild, was ein Staatsbesuch zu tun habe, welches Pflichtprogramm er zu absolvieren habe? Tritt man einen Schritt zurück von den vorgefassten Ideen, so könnte doch im Kopf der Gedanke entstehen, dass Obama den Bogen ganz bewusst gespannt hat von den ältesten Zeugnissen unserer genuinen Geschichte, bis hin zur Neuzeit beim Treffen mit den Studenten, unserer Zukunft.
Obama machte dann einen Zeitsprung in die Neuzeit, indem er anerkannte, dass der Staat Israel die Erfüllung vom Traum des Jüdischen Volkes ist „in seinem eigenen, souveränen Staat Herr über sein eigenes Schicksal zu sein“. Obama besuchte das Grab Theodor Herzls, des Begründers des modernen Zionismus und sagte, dass  Herzl „die Weitsicht hatte, zu erkennen, dass die Zukunft des Jüdischen Volkes erneut  mit seiner Vergangenheit verbunden werden müsse.“ Obama bezeugte Achtung und Respekt vor dem politischen Programm des Zionismus, dessen Ziel es war, eine Heimat für das Jüdische Volk im Land Israel zu etablieren. „Der Traum der wahren Freiheit fand schließlich seinen realen Niederschlag in der Zionistischen Idee - ein freies Volk in seiner eigenen Heimat zu sein. Daher glaube ich, dass Israel nicht nur in seiner Geschichte und Tradition verwurzelt ist, sondern auch in der einfachen und tiefgründigen Idee – der Idee, dass Menschen das Recht haben in ihrem eigenen Land frei zu sein.
Wie viel Unterstützung dürfen wir denn noch erwarten, wenn uns diese eindrücklichen Worte, die klar festhalten, dass wir ein historisches Recht auf dieses Land haben, auf dem wir seit Jahrtausenden leben, nicht genug sind? Die Worte Obamas können nicht anders verstanden werden, denn als klare Botschaft: Ja zum Zionismus, ja zur Geschichte, ja zum Staat Israel. Es bedarf schon einer pathologischen Anti-Obama-Obsession, um diese Worte, die immer von einer kohärenten Körpersprache begleitet wurden, zu missinterpretieren! Und sich dabei selbstverständlich auf die Rede von Kairo aus dem Jahr 2009 zu berufen, die als Zeugnis für die „wahren Absichten“ des Präsidenten herhalten muss.
Obama korrigierte auch die gutgemeinte, aber irreführende Botschaft seiner 2009 in Kairo gehaltenen Rede, dass „die Sehnsucht nach einer Jüdischen Heimat ihre Wurzeln in einer tragischen Geschichte hat“, in der Verfolgung der Juden, die ihren Höhepunkt im Holocaust hatte und die zur Gründung des Staates Israel führte.  „Hier, auf Ihrem historischen Land“, sagte Obama während seines Besuches in Yad Vashem, „lassen Sie mich sagen, und die ganze Welt muss es hören: der Staat Israel existiert nicht nur wegen des Holocaust.“
Die Staatsgründung Israels ausschließlich auf den Holocaust zu reduzieren, wäre zu billig. Dennoch wird uns immer wieder vorgehalten, die Welt ein Stück weit mit der sogenannten „Holocaustkeule“ zu erpressen, jede israelkritische Diskussion im Keim zu ersticken und lautstark unsere ewige Opferrolle zu betonen, die uns angeblich berechtigt, in allen möglichen  Bereichen bevorteilt zu werden. Falls es überhaupt gelingen solle, einen noch so kleinen Zusammenhang zwischen der Staatsgründung und dem Holocaust nachzuweisen, könnte dies nur mit aufwändigen antifaktischen Untersuchungen belegt werden. Cui bono?
In diesen Tagen, zwischen dem Holocaust Memorial Day und dem Tag der Israelischen Unabhängigkeit klingen Obamas Worte nach. Seine Betonung, dass das Jüdische Volk sein Schicksal in die eigenen Hände genommen hat, um den Staat Israel zu gründen, zeigt ein tiefes Verständnis für die wahre Natur des Zionismus. Er erinnerte die Welt daran, dass Zionismus eine inspirierende Idee und eine Bewegung ist, die, wenn man sie richtig versteht, helfen könnte, Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu schaffen und einer positiven Veränderung für die arabischen Staaten den Weg zu bereiten.
Solange die Welt im Allgemeinen und die arabische  Welt im Besonderen glaubt, der Staat Israel sei eine Art von Wiedergutmachung von einer schuldig gewordenen Welt für ein leidendes Volk, wird sich die irrige Ansicht halten können,  dass der Preis dafür die ewige Opferrolle sein müsse. Diese Meinung fördert es, als weltweit am stärksten unterdrückt wahrgenommen zu werden, eine Strategie die einige Palästinenser über die Jahrzehnte hinweg  perfektioniert haben und die sich darin zeigt, dass sie Flüchtlinge innerhalb ihrer eigenen Grenzen geblieben sind, die ihre Existenz über die „Demütigungen“ definieren, die von Israel ausgehen und nicht dadurch, dass sie Schritte unternehmen, die ihnen ihre eigene Würde bringt.
Falls es Palästinensern und Arabern gelingen sollte, Israel und den Zionismus wirklich zu verstehen, könnten sie sich möglicherweise auf einen Weg mache, der zur Selbstbestimmung und zur Akzeptanz der Verantwortung führt, das eigenen Schicksal selber zu bestimmen. Die Palästinenser können morgen ihren eigenen Staat haben, wenn sie sich wie die führenden Zionisten verhalten würden – ein pragmatisches Ja zu dem, was sie haben können, auch wenn das viel weniger sein mag, als sie glauben, rechtmäßig verdient zu haben.
Obama nahm aber in Jerusalem auch die Studenten, stellvertretend für alle Israelis in die Pflicht,  quasi aus dem Blickwinkel der Palästinenser auch deren Ansichten, Wünsche und  Hoffnungen zu verstehen. Aus der Erfahrung des eigenen Erfolges müsse klar erkannt werden, dass auch die Palästinenser ein Anspruch auf ein freies, selbstbestimmtes Leben in einem eigenen, autonomen Staat haben.
Dies kann nur möglich werden mit zweit Staaten für zwei Völker.
Obama erklärte bei seinem Besuch in Israel auch, der Grund, warum die USA und Israel Partner sind, sei „eine gemeinsame Geschichte: Patrioten, die entschlossen waren, ein freies Volk im eigenen Land zu sein, Pioniere die eine Nation schufen, Helden, die sich für die Freiheit opferten und Immigranten aus allen Ländern der Welt, die die Gesellschaft immer wieder erneuerten.“  Auch die Palästinenser können sich formieren und Teil dieser Geschichte werden, wenn sie vorwärts und nicht nach hinten schauen würden, sich der Aufgabe stellen würden, die eigene Nation zu bilden, statt  eine andere Nation abzuleugnen.
Indem er den Zionismus wieder zurückgeholt hat und die Welt an dessen wahre Absichten und Natur erinnert hat, hat Obama der Aussicht auf Frieden den bisher großartigsten Dienst erwiesen.


Montag, 29. April 2013

Wie aus “Rule Britannia, Britannia rule the waves!”, “Waive, Britannia – Britannia waives the rules” wurde. Die unrühmliche Geschichte einer ehemaligen Schutzmacht gegenüber Israel

ב"ה
 
 
Sykes-Picot-Abkommen
Bevor das Osmanische Reich im Zuge des WK1 zerschlagen wurde, gab es, noch während des Krieges, Geheimverhandlungen zwischen der Französischen und der Britischen Regierung. Im Zuge dieser Verhandlungen wurde vereinbart, wie die territoriale Umverteilung von Teilen des ehemaligen Osmanischen Reiches vorgenommen werden sollte. Beide Staaten wurden dabei natürlich primär durch ihre kolonialen Interessen geleitet. Das später Palästina genannte Gebiet sollte, entsprechend diesem Abkommen unter internationale Beobachtung  gestellt werden sollen.
Gebietsaufteilung entsprechend dem Sykes-Picot-Abkommen
 
San Remo Konferenz – das Britische Mandat für Palästina und die Gebietsteilung durch Churchill als erster antijüdischer Akt der Briten
Anlässlich der im April 1920 durchgeführten Konferenz von San Remo wurde durch den Obersten Rat der Alliierten Mächte u.a. das Britische Mandat für Palästina beschlossen.
 
Der damalige Kolonialminister Winston Churchill teilte das Land  1921 kurzerhand in zwei Teile. 4/5 fielen an Transjordanien und  1/5 verblieb unter dem Namen  Cisjordanien.
 
Transjordanien emanzipiert sich aus der Hand der Briten und mit Hilfe der Briten
Transjordanien wurde 1923 zunächst in ein halbautonomes Emirat  umgewandelt und erklärte 1928 einseitig seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Ausgenommen blieben die Bereiche: Finanzen, Verteidigung und äußere Sicherheit.
Die gesamte Truppe unterstand dem Befehl  von Frederick Gerard Peake, der die Truppen auf einen für die damaligen Zeiten hohen Standard brachte.
Von 1939 bis 1956 übernahm John Bagot Glubb, auch bekannt als  Glubb Pasha, das Oberkommando der mittlerweile in „Arabische Legion“ umbenannten Truppe.
Die „ Desert Patrols“ waren das erste Resultat seiner Überlegungen, wie es gelingen könne, zumindest im Land selber zur Ruhe zu kommen. Diese neuen Truppen rekrutierten ab 1930 ihre Soldaten aus den Clans der Beduinen, die damals, so wie heute, einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Vor allem im Süden des Landes gelang es mit Hilfe dieser Patrouillen, die regelmäßig gegeneinander kämpfenden Clans halbwegs zu befrieden.
Die Kamelpatrouillen sind heute noch in Jordanien aktiv!
    

 
1946 erhielt  Jordanien als Königreich die volle Selbstständigkeit. Gleichwohl wurde die Jordanische Armee weiterhin, bis zum endgültigen Abzug der britischen Truppen im Jahr  1957 von einer Gruppe Britischer Offiziere gemeinsam mit König Abdallah I, dem ersten Haschemiten auf dem Jordanischen Thron, geführt.
 
Kurzer Exkurs zu den arabisch-israelischen Kriegen, die Rolle der Arabischen Legion
Während des Unabhängigkeitskrieges 1948 war die Arabische Legion die einzige Truppe, die gegen das junge Israel  Erfolg hatten.  
Es gelang der Arabischen Legion, das Westjordanland zu erobern – nota bene, in einem Angriffskrieg! – und später zu annektieren. Zuvor war dieses Gebiet im UN Teilungsplan von 1947, dem auch König Abdallah (der übrigens von einem Palästinenser ermordet wurde) zugestimmt hatte,  dem zu gründenden Israel zugesprochen worden. Israel hat das Gebiet, welches ihm rechtmäßig zuerkannt  wurde, im Zuge des Sechstagekrieges 1967, einem Verteidigungskrieg,  zurückerobert. 1981 hat Jordanien seine (de jure nie existierenden) Ansprüche aufgegeben.
 
Rückzug der Briten aus Jordanien
1956 wurde der jordanische Widerstand gegen die britischen „Militärpartner“ im Land so stark, und entzündete sich schlussendlich an den unterschiedlichen Positionen zur Suezkrise, dass Glubb abgesetzt wurde, und sich die Briten 1957 endgültig aus Jordanien zurückzogen.
Während sich das heutige Jordanien mehr und mehr aus dem Einfluss der Briten emanzipierte, verblieb das damalige Palästina noch unter der harten Hand der britischen Mandatsmacht, die konsequent nur den jüdischen Einwohnern galt.

 
Folgen der antijüdisch begründeten restriktiven Haltung der Briten
Durch die Teilung in Trans- und  Cisjoranien war die Aufnahmekapazität für Juden drastisch eingeschränkt. Diese Einschränkung und die sie flankierende Maßnahme des erschwerten Landerwerbs liefen der ausdrücklich festgelegten Aufgabe des Völkerrechtsmandats völlig entgegen: "…die Administration Palästinas ... in Zusammenarbeit mit der jüdischen Körperschaft ... eine dichte Ansiedlung von Juden auf dem Land fördern soll, was auch staatseigene Gebiete und ungenutztes Land einschließen soll, das nicht für öffentliche Zwecke gebraucht wird".  Trotzdem beharrte die Britische Mandatsverwaltung darauf, den Zuzug von Arabern nicht einzuschränken, während die Zahl der Einwanderunsbewilligungen für Juden drastisch eingeschränkt wurde. Bis zum Ende der Mandatszeit, wurde dieses restriktive Verhalten weiter verfolgt. Die Gründe waren klar antijüdisch.
Besonders betroffen waren Flüchtlinge aus Europa, die sich vor der Shoa hatten retten können. Sie erhofften sich durch die Einwanderung nach Palästina ein Leben in Sicherheit. Ganz anders sahen die Briten die Flüchtlinge. Sie sahen in ihnen die Bedrohung, die Situation in Palästina zu destabilisieren. Illegale Flüchtlingen wurden in Haifa aufgegriffen und zunächst nach Zypern genbracht. Von dort aus wurden sie zurück in die Länder deportiert, von denen aus die Schiffe ausgelaufen waren. Das wohl bekannteste Schiff, die Exodus, fuhr wieder nach Marseille zurück.
Vorfälle dieser Art setzten die Britische Mandatsregierung in ein ganz schlechtes Bild, so dass die Forderung nach einer Beendigung des Mandates immer lauter wurde.
 
Vom Clan der Bürgermeister von Jerusalem zum  SS Mitglied
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts stellten Mitglieder der Husayni Familie, ursprünglich Einwanderer aus der Türkei, die Bürgermeister und Muftis von Jerusalem.  Musa Kazim Al-Husayni nahm ab 1918 diese Position ein, wurde allerdings von den Briten aus dem Amt entfernt.
Ein Nachfolger von ihm, Mohammed Amin al-Husayni, vertrat während des WK2 vehement die Interessen Hitlers und dessen Bestrebungen,  mit dem Wüstenbataillon Rommels auch Palästina zu erobern. 1941 griffen deutsche und französische Flugzeuge Haifa, den letzten Hafen unter britischer Oberhoheit im Nahen Osten an.  Der Obermufti  mag wohl der einzige Nichtarier gewesen sein, der bewusst in die SS aufgenommen wurde.
 


Telegramm anlässlich des Jahrestages der Balfour Deklaration
Der Obermufti inmitten „seiner“ Waffen SS
Bereits um 1920 begann  der Obermufti,  Selbstmordattentate  gegen Juden zu organisieren, in der Hoffnung, diese aus Palästina zu vertreiben. Die britischen Mandatare schauten so lange untätig zu, bis sie selber in Gefahr kamen und Zielscheibe von jüdischen Übergriffen wurden.  Richard Meinertzhagen, der sich selber als  „Chief political offficerfür Syrien und Palästina bezeichnete, notierte in seinen Tagebüchern, dass die britischen Beamten dafür wären, den Zionismus aus Palästina zu entfernen.
Was wäre ein Bericht über diese unruhigen  Zeiten im Nahen Osten,  wenn der schillerndste  aller Namen nicht genannt würde. Gleichgültig, wie unrühmlich er auch sein mag: T.E. Lawrence, besser bekannt als „Lawrence von Arabien“.  Lawrence, zog sich 1918 in seine Britische Heimat zurück. Sein bekanntestes Werk „Die sieben Säulen der Weisheit“  war kein Publikumserfolg.
Meinertzhagen  versuchte wohl vergeblich, sich mit T.E. Lawrence anzufreunden, ja mehr, ihm in seiner Rolle als schillernder Euraber zu folgen. Lawrence widerstand aber zumindest diesen Verlockungen. Meinertzhagen konnte mit seinen Tagebüchern nie an die Erfolge von T.E.Lawrence anknüpfen.
 
Die sieben Säulen der Weisheit, Wadi Rum
 
Eine deutliche Aufforderung zum Mord an der jüdischen Bevölkerung und zu Vertreibung erging von  Col. Waters-Taylor an den Bürgermeister von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husayni. Die britischen Truppen wurden aus Jerusalem abgezogen und so der Weg frei gemacht für gewaltsame Übergriffe. Waters-Taylor argumentierte, dass die Freiheit nur durch Gewalt erreicht werden könne. Auch durch arabische Pogrome gegen die Juden.
Um in den Augen der Weltöffentlichkeit nicht als zu nachgiebig dazustehen, sollte  der Bürgermeister verhaftet werden, entzog sich aber  der zu erwartenden Strafe durch Flucht. Auf Druck araberfreundlicher Kreise in Großbritannien wurde er  ein Jahr später nicht nur begnadigt, sondern sogar zum Mufti ernannt. Jedoch die Anführer der jüdischen Verteidigungsorganisation wurden mit bis zu 15 Jahren Haftstrafe  „belohnt“.
Der neue Mufti nutzte seine Macht den Briten gegenüber, indem in einem Brief an Winston Churchill aus dem Jahr 1921 forderte, dass Palästina wieder mit Syrien und Transjordanien vereinigt würde.
1946 übernahm  General Evelyn Hugh Barker das Oberkommando der britischen Truppen im Mandatsgebiet.  Seine unnachgiebige Haltung den Juden gegenüber folgte in bester Tradition seinen Vorgängern.  Der Sprengstoffanschlag gegen das King David Hotel, resp. gegen die dort beheimatete britische Administration war als Antwort auf eine umfassende britische Aktion gegen die Jewish Agency zu verstehen.  Bakers Antisemitismus gipfelte in der Aussage: „ (Wir)werden die Juden auf eine Art bestrafen, die für ihre Rasse besonders unliebsamen ist, wir werden ihnen auf die Taschen klopfen und ihnen zeigen, was wir von ihnen halten.“
 
Das teilweise zerstörte King David Hotel
 
Ein Staat wurde geboren
Es kommt nicht von Ungefähr, dass die Abgeordneten zur 1. Knesset teilweise gewählt wurden, weil sie sich im Untergrundkampf gegen die verhasste britische Militärmacht bewährt hatten.
Wir schreiben das Jahr 2013.
Nun erfahren wir, dass  Großbritannien immer noch glaubt,  sich aktiv in die Politik des heutigen Israels einmischen zu dürfen. Welche Gründe hat Großbritannien, das es bis heute nicht fertig brachte, vor der eigenen Haustüre, in Irland, Frieden zu schaffen?
Der Britische Botschafter in Israel, Matthew Gould,  verlangt, dass wir die militärische Hoheit über  die B und C Gebiete im WJL an die Palästinenser übergeben. Er verstärkt sein Ansinnen damit, dass er darauf hinweist, Großbritannien investiere viel, um die palästinensischen Truppen auszubilden und zu stärken. Laut seinen Aussagen sind äußerst erfahrene Offiziere in Ausbildungslagern, unter anderem in Jenin, aktiv.
Großbritannien hat sich nie bei Israel entschuldigt. Weder für den Landraub, den Churchill vornahm,  noch für das Massaker von Hebron, noch für die antijüdische  und propalästinensische Haltung während der Mandatszeit,  noch für die inhumane Wegweisung von zutiefst traumatisierten Opfern der Schoa. Großbritannien hat sich auch nie für seine Kriegsverbrechen in Afrika und Indien rechtfertigen müssen.
Welchen Grund hätten wir, den Briten, die bis heute gegen den Staat Israel agieren,  auch nur einen kleinen Schritt entgegenzukommen? Das wäre doch fast so, als würden wir unser eigenes Grab schaufeln!

 


Freitag, 26. April 2013

Earth day und Militär muss kein Widerspruch sein!

ב"ה
 
 
Der ökologische Fußabdruck gibt an, wie viele Hektar Land es brauchen würde, um alle verbrauchten Ressourcen wieder nachwachsen zu lassen Mein Fußabdruck entspricht demnach 2,8 Hektar und damit liege ich Lichtjahre vom Optimum entfernt. Das liegt bei 1,8 Hektar.
 
Wieso also jetzt Earth day und Militär? Wo es doch auf der Hand liegt, dass das Militär alles andere als ressourcenfreundlich ist!
 
Die IDF ist als Gesamtorganisation der größte Arbeitgeber in Israel, die Stützpunkte der unterschiedlichsten Waffengattungen sind über das ganze Land verteilt. Von den nördlichsten Standorten in Rosh HaNikra am Mittelmeer bei der libanesischen Grenze und entlang der libanesisch-syrisch-israelischen Grenze bis zum Golan, entlang der Waffenstillstandslinie beim WJL, im WJL selber, im israelischen Kernland, bis hinunter zur Grenze zu Gaza und zu Ägypten.
 
Täglich werden Materialtransporte durchgeführt, einige können in den Nachtstunden über die Schiene durchgeführt werden, weil nur dann entsprechende Transportkapazitäten zur Verfügung stehen. Die meisten Transporte finden über die Straßen statt.
 
Seit 2008 gibt es eine spezielle Einheit, deren einzige, aber herausfordernde Aufgabe es ist, in allen Bereichen des Umweltschutzes Verbesserungen  zu erreichen.  Es gibt nahezu nichts, was durch militärische Aktivitäten nicht betroffen wäre: Abwasser, Brennstoffe,  Gefahrengüter, Feststoffabfall,  Recycling, Lärm, Luftverschmutzung, Strahlengüter…
 
Anlässlich vom Earth day 2013 stellte die IDF einige nachhaltige Projekte vor.
 
Im ganzen Land wurden in der Nähe von größeren Standorten künstliche Wasserbecken angelegt. Abwässer werden in die Becken eingeleitet und dort quasi selbstreinigend von Sedimenten und anderen belastenden Stoffen, u.a. Schwermetallen befreit. Anschließend wird das Wasser rezikliert und als Grauwasser wieder in die entsprechenden Systeme eingespeist.
 
Wetland bei Mitzpeh Ramon in der Negev Wüste
 
Solaranlagen sind heute in den meisten Militärstützpunkten eine Selbstverständlichkeit, was wir an Wasser oft zu wenig haben, haben wir an Sonne rund ums Jahr mehr als genug. Vom Hausstrom bis zum Warmwasser, alles kann so umweltfreundlich bereitgestellt werden.
 

Solarfarm in der Negev Wüste
 
Je heißer es wird, desto mehr Wasser fällt quasi als Abfallprodukt im wahrsten Sinne des Wortes an. Die Kompressoren der Klimaanlagen produzieren einige Liter Wasser pro Stunde. Nachdem die meisten Häuser hier mit dezentralisierten Klimaanlagen ausgestattet sind, kommt da einiges an Wasser zusammen. Dieses wird aufgefangen und  ebenfalls als Nutzwasser gebraucht.
 
 
 
 
Ganz besonders sensibel sind die IDF um Umgang mit den Abwässern, die auf den Schiffen anfallen. Statt sie, wie andernorts so gerne und blauäugig gehandhabt, einfach auf dem Meer zu verklappen, hat man hier eigene Anlagen ausgetüftelt. Diese pumpen die Abwässer in einen Spezialcontainer, sobald das Schiff vertäut ist. Spezielle chemische Stoffe entfernen alle bakteriellen Inhaltsstoffe. Wenn das Wasser nach der Behandlung wieder unbedenklich für die Ökologie des Meerwassers ist, wird es ins Meer abgeleitet.
 

 
Selbst beim Tankvorgang bei Fahrzeugen wird verspritztes Benzin oder Diesel aufgefangen und  für weniger empfindliche Betankungen weiterverwendet. Das hört sich vielleicht ein wenig lächerlich an, stellt man sich aber die Menge aller Fahrzeuge vor, die tagtäglich, teilweise sogar mehrfach betankt werden müssen, so kommt auch hier eine recht ansehnliche Menge zusammen.
 
 
 
Ähnlich sorgsam ist man auch im Umgang mit altem Motorenöl. Es wird ebenfalls abgepumpt, gesammelt und anschließend gefiltert und gereinigt. Ölfirmen kaufen das reziklierte Öl, wodurch sogar  noch ein wenig Geld in die Kassen der IDF gespült wird.
 
Die jahrelang überall und teilweise exzessiv benutzten dieselbetriebenen Kochgeräte haben ausgedient. Die starke Belastung und Verschmutzung des Bodens in den Zeltcamps der IDF war nicht länger akzeptabel. Sie wurden gegen gasbetriebene Kochgeräte (Gulaschkanonen) ausgetauscht.
 
Die Entwicklung und Umsetzung des nachhaltigen Umweltschutzes beim Militär ist gerade erst den Kinderschuhen entwachsen. Aber, die ersten Schritte sind durchaus sehenswert!
 
Uns freut‘s, weil die entlassenen Soldaten den Umweltschutz auch in ihrem Leben nach dem Militärdienst beachten.