Sonntag, 14. Dezember 2014

Sternenglanz, Shrimps und Solarenergie

B"H

Als am 1. Februar 2003 die Raumfähre Columbia 28 irgendwo über dem Süden Nordamerikas zerbrach, bedeutete das nicht nur den tragischen Tod von sieben Astronauten und das Ende der Ära der Columbia Raumshuttle Mission, sondern auch die bis anhin letzte Teilnahme eines israelischen Astronauten an den bemannten NASA Programmen.
Mit an Bord war damals Ilan Ramon, Kampfpilot der IAF, zum Zeitpunkt des dramatischen Unfalls 49 Jahre, Vater von vier Kindern.

Ilan bezeichnete sich als säkularen Juden, wollte aber ein deutliches Zeichen setzen und bat darum, für die Dauer des Fluges koschere Verpflegung zu erhalten. Auch wollte er versuchen, den Schabbat an Bord des Raumschiffes einzuhalten. Mit an Bord waren weiterhin: eine Zeichnung des Shoa Opfers Peter Ginz „Mondlandschaft“ (ausgewählt von Yad VaShem), eine winzig kleine Torah und einige Mesusot.



Es ist kaum zu glauben, dass man am Absturzort der Columbia einige Seiten seines Tagebuches fand und rekonstruieren konnte.

Der Makhtesh Ramon Krater in der Negev Wüste


Wer in den Süden Israels reist, sollte unbedingt einen Zwischenstopp in Mitzpeh Ramon einplanen. Im Besucherzentrum, von dem aus man den atemberaubendsten Blick auf den Makhtesh Krater hat, befindet sich auch das Ilan Ramon Museum.

Im Jahr 2009 kam erneut unsägliches Leid über die Familie. Assaf Ramon, ganz Sohn seines Vaters, hatte gerade seine Ausbildung zum Kampfpiloten der IAF absolviert, als er während eines Trainingsfluges abstürzte und starb.

Rona Ramon, Ehefrau und Mutter der beiden umgekommenen Piloten errichtete die „Ilan Ramon Foundation“, deren Ziel es ist, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Basis zu geben, auf der sie sich selber weiter entwickeln und ihren Zielen näher kommen können.
Die Foundatation besteht aus mehreren Säulen, von denen ich vier hier vorstellen möchte.




In über 20 „Darca Schulen"  finden Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, entsprechend ihren Fähigkeiten in über das reguläre Curriculum hinausgehenden Lehrplänen Zusatzwissen zu erwerben:

In einer Schule für drusische Schüler und Schülerinnen ab der 10. Klasse wird dem Umstand Rechnung getragen, dass das Bildungsniveau bei der, vor allem weiblichen drusischen Bevölkerung, gemessen am israelischen Durchschnitt, zu niedrig ist. Neben den regulären Pflichtfächern, die zur Matura führen, können die Schüler und Schülerinnen sich entweder im Bereich der Naturwissenschaften oder der neuen Technologien weiterbilden.

Schülerinnen der Klassen 7 – 11 mit religiösem Hintergrund bekommen hier die Chance, ihre verinnerlichten religiösen Werte mit den Anforderungen der Modern zu kombinieren und eine Ausbildung zu erhalten, die ihnen jeden weiteren Weg für eine eigenverantwortliche Zukunft ebnet.

Die entsprechende Schule für jüngere religiöse Schüler  dauert sechs Jahre und betont die Bedeutung der familiären Umgebung  für das jüdische Lernen und wird daher als Campus geführt.



U.a. ist das Tichon Hadash Darca in Bat Yam Partnerschule des von der Ilan Ramon Foundation geförderten Programmes.

Sechs Schulen in Israel nehmen an diesem wunderbaren Projekt teil. In Kleingruppen werden an den Schulen Experimente vorbereitet, und an Bord der ISS gebracht. Mehr oder weniger zeitgleich wird das Experiment im All und in den Schulräumen durchgeführt. Nach Abschluss und Auswertung der jeweiligen Daten werden diese wieder zusammengeführt und dem endgültigen Ziel, dem Vergleich zugeführt.

Schon einmal, im Januar dieses Jahres waren israelische Schüler Initiatoren eines  an der ISS durchgeführten Experimentes.  

Diesmal ging es um die Frage, welchen Einfluss die Schwerlosigkeit im All auf die Entwicklung der Eier von Süßwasser Garnelen hätte. Diese Garnelen werden entweder als Fischfutter eingesetzt, oder werden in Süsswasser Aquarien als Algenvertilger gehalten. Die Biologielehrerin der Klasse war beim Aufbau des Versuches und bei der Verpackung der ein einzelnen Versuchsmodule behilflich, überliess aber darüber hinaus den vier 14-Jährigen das wissenschaftliche Feld.



In der vergangenen Woche kamen die Ergebnisse wieder zurück aus dem All. Das Ergebnis: jene Eier, dich sich im schwerlosen Raum entwickelten, taten dies signifikant langsamer, als jene auf der Erde. Und, war das nun nur ein Versuch, um junge Menschen zu motivieren? L’art pour l’art? Nein, weit mehr als das – diese Daten werden helfen, die Produktion von Insulin für Diabetiker weltweit zu beschleunigen. Ein grossartiger Zwischenschritt bei der Arbeit der modernen Pharmazieforschung!


ist mein Favorit! Als vor etwa 15 Jahren eine meiner zahlreichen Grossnichten ihre Eltern, resp. Grosseltern mit dem Wunsch konfrontierte, Kampfpilotin werden zu wollen, so war das kein unrealistischer Wunsch mehr. Seit 2001 gibt es Kampfpilotinnen in der IAF. Ich bin dagegen. Auch wenn die Chance nicht allzu gross ist, in die Hände des Feindes zu fallen, aber was, wenn es dann doch einmal passiert? Kann sein, dass ich mittlerweile in einem Alter bin, in dem ich nicht mehr immer und überall zwanghaft emanzipiert sein muss und es auch zulassen kann, besorgt zu sein.

Der Aviators Club verbindet die Sehnsucht fast aller israelischen Kinder, Pilot zu werden mit den realen Anforderungen des täglichen Lebens. Die Paten, Piloten die hier einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Freizeit opfern, übernehmen die nicht einfache Aufgabe, Kinder, oft aus einem problematischen Umfeld, über zwei Jahre zu betreuen. Die Piloten, die Helden der Kinder, nutzen den positiven Einfluss, den sie auf sie haben und leiten sie an, ein neues, anderes Leben zu beginnen. Die Erfolge sind grandios:

Die schulischen Lernerfolge steigen um 85% an, auch wenn die Paten keine wie immer geartete Lernhilfe geben.
Die Gewalt an den ausgewählten Schulen geht um bis zu 100% zurück. Unter anderem geht dieser Erfolg darauf zurück, dass die Schüler, die bereits im zweiten Jahr des Programmes sind, sich um die jüngeren Schüler kümmern müssen.
Die Atmosphäre in der Schule und im gesamten Umfeld verbessert sich dramatisch, ein wunderbarer Erfolg!

wendet sich an Absolventen und junge Studierende an Universitäten und Unternehmer, die bereit sind, ihren Visionen Realität werden zu lassen. Die Anforderungen, um an diesem gut dotierten Wettbewerb teilnehmen zu können sind hart.

Das Siegerprojekt muss geeignet sein, das Leben von 1 Million (!) Menschen in maximal fünf Jahren ab Projektbeginn zu verbessern. Es muss darüber hinaus soziale oder wissenschaftliche Hintergründe haben und neue Technologien entwickeln, um das Ziel erreichen zu können. Dass das Projekt ein absolutes Novum sein muss, versteht sich von selbst. Gearbeitet werden kann allein oder in einem Team.

Die Gewinner des Jahres 2014 Eran Maimon, gelang es, einen Wandanstrich zu erforschen, der geeignet ist, Solarengerie zu speichern und in Strom umzuwandeln. Sobald dieses Produkt auf den Markt kommt, werden sich die teuren Kosten für die Installation von Sonnenkollektoren drastisch reduzieren. Als unmittelbare Folge wird der Stromverbrauch im privaten und öffentlichen Bereich deutlich zurückgehen.

Ich kenne kein vergleichbares Forschungsprojekt, das von Anfang an so stark auf strikte Nachhaltigkeit setzt!

Unser kleines Land Israel unterscheidet sich durch Vieles von seinen Nachbarn, durch Eines aber ganz besonders: wir wissen, dass unsere Zukunft nur dann erfolgreich sein kann, wenn wir unseren Kindern und Jugendlichen eine Chance geben!


Freitag, 5. Dezember 2014

Ups, er hat es schon wieder getan!

ב"ה


Der beginnende Anfang vom Ende zeichnete sich schon vor Tagen, ja eigentlich schon seit der Vereidigung der aktuellen Regierung  - die sich seit Dienstag im Zustand der Selbstauflösung befindet – also seit dem 5. Februar 2013 ab.

Fraktionsführer unter sich

Die Ministerriege


Vertreten in der 19. Knesset waren 12 Parteien, die sich auf 120 Sitze verteilten. 20 weitere Parteien waren an der 2% Hürde gescheitert. 



Die Koalition, die PM Netanjahu in knapp zwei Monaten formen konnte, bestand aus 

Likud / Israel Beteinu         31 (23,34)
Jesch Atid                            9 (14,33)
Ha Beit HaJehudi               12 ( 9,12)
Hanuta                                  6 ( 4,99)

Auf den Oppositionsbänken nahmen 52 Knesset Abgeordnete Platz.

Awoda (11,39/15), Shas (8,75/11), Vereinigtes Torah Judentum (5,16/7), Meretz ( 4,55/6), Kadima (2,08/2), sowie die arabischen Parteien.

Eine Errungenschaft dieser Regierung ist die Einführung der 3,25% Hürde, um die Knesset Einzug zu erhalten. Dieser neuen Regelung könnte Kadima zum Opfer fallen, die bei der vergangenen Wahl 20,39% Verluste einfuhr und nur mehr über zwei Sitze verfügte. Kadima war 2005 von PM Sharon als Abspaltung des Likud gegründet worden. Bei den Wahlen von 2006 und 2009 war sie mit 29, resp. 28 Sitzen die stärkste Fraktion. 

Nachdem die ehemaliger Powerfrau von Kadima, Tzipi Livni diese verließ und mit ihrer neuen Partei Hanuta 4,99% erreichte und zahlreiche Mitte-Links orientierte Wähler sich darüber hinaus der neue Partei Jesch Atid um Yair Lapid (14,33%) zuwandten, ist das Ende von Kadima vorhersehbar. 

Problematisch werden dürfte die neue Sperrklausel auch für die arabischen Parteien werden. Die drei in der Knesset vertretenden Parteien Ta’al (4), Balad (3) und Hadash (4) stecken bereits mitten in internen Verhandlungen, wie man sich neu formieren könnte, um es überhaupt noch einmal in die 20. Knesset zu schaffen. Die beiden rein arabischen Parteien Ta’al (3,65 %) und Balad (2,56%) könnten es als gemeinsame Liste schaffen, für die dritte arabisch-jüdische Partei, Hadash (2,99%) sieht es bei einem Alleingang nicht gut aus, ob sie sich allerdings ideologisch mit den beiden anderen zusammenschließen wird, wage ich zu bezweifeln. 

Mich erinnert unsere Knesset mehr und mehr an das Parlament der Weimarer Republik, das zwischen 14 und 17 Parteien umfasste und in der während 11 Jahren keine einzige Legislaturperiode regulär beendet wurde – es gab zwischen 1919 und 1930 fünf Reichstagswahlen! Der nicht liebevolle, aber durchaus zutreffende Spitzname war “Quasselbude“.
Bibi schickt die Minister heim...

Neben der schmutzigen Polit-Wäsche, die nun allenthalben gewaschen wird, bemühten sich drei unterschiedliche Medien um den schnellen Überblick in der aktuellen Wählergunst.

Hier die drei wesentlichsten (derzeit) - die aktuellen Koalitionsparteien im Fettdruck

Kanal 10





Likud/Israel Beteinu


34
3

Ha Beit HaYehudi


17
5

Awoda


13
-2

Die noch Namenlosen


12
12

Yesch Atid


9
-10

Arabische Gruppe


9
-2

Vereinigtes Torahjudentum


8
1

Shas


7
-4

Meretz


7
1

Hanuta


4
-2







Kanal 2





Likud/Israel Beitenu


32
1

Ha Beit HaYehudi


17
5

Awoda


13
-2

Arabische Gruppe


11
2

Die noch Namenlosen


10
10

Yesh Atid


9
-10

Shas


9
-2

Vereinigtes Torahjudentum


8
1

Meretz


7
1

Hanuta


4
-2







Walla





Likud/Israel Beitenu


35
4

Ha Beit HaYehudi


17
5

Awoda


12
-3

Arabische Gruppe


10
-1

Die noch Namenlosen


10
10

Yesh Atid


11
-8

Shas


7
-4

Vereinigtes Torahjudentum


8
1

Meretz


5
-1

Hanuta


5
-1


Die drei noch in der Koalition befindlichen Parteien kämen derzeit auf 51/49/52 Sitze.
Gemeinsam mit den alten Koalitionspartnern sogar auf 64/62/68, also im günstigsten Falle wären sie gleich weit wie heute, aber das ist nun wirklich nur ein hypothetisches Konstrukt! 

So wie sich die jeweiligen Seiten derzeit angiften, sind die gegenseitigen Wunden zu tief.
Also muss ein anderer Koalitionspartner aus dem Zauberhut gezogen werden.

Awoda, mit 12, resp. 13 Sitzen ein komfortables Polster, aber, als Partei zu links und zu zionistisch, und in einer Koalition mit He Beit HaYehudi überhaupt nicht denkbar.

Meretz, mit 5, resp. 7 Sitzen als Hilfe ungeeignet. Noch dazu ist Meretz ebenfalls zu links.

Die noch Namenlosen stehen schon gar nicht zur Diskussion, sie sind durch eine Abspaltung vom Likud entstanden und werden sich nicht wieder durch die Hintertüre hineinschleichen.

Ja, aber wer bleibt denn dann noch übrig?

Es sind, wieder mal: die rechten Religiösen! Sie bringen als politische Morgengabe 15 bis 17 Sitze mit, damit wäre eine Koalition mehr als abgesichert……

Aber dann muss das Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht für Religiöse – ein Eckpfeiler der Erfolge dieser Regierung wieder eingestampft werden. 

Und um die gerade erst an die Neuzeit angepassten Curricula an religiösen Schulen schnellstens wieder revidieren zu können, wird sicher das Unterrichtsministerium als conditio sine qua non eingefordert. 

Keine wirklich prickelnden Vorstellungen.

Schauen wir das Ganze doch mal von einem anderen Blickwinkel an:

Awoda + Yesh Atid + Hanuta  + die neue, noch namenslose Partei + Meretz kämen auf 43 bis 45 Sitze, also weit weg von jeder realistischen Option.

Jetzt ziehe ich den Joker, der vielleicht denkbar wäre: gelänge es Ha Beit HaYehudi (wenn Benett bei Bibi mitgemacht hat, dann kann er das auch hier!), so wäre, mit ein wenig Glück ein hauchdünne Mehrheit möglich. Zwischen 60 und 62 Sitze ergeben sich in dieser Konstellation rein rechnerisch.

Aber hinter den Kulissen grummelt und brummelt es gewaltig. Am Dienstag Abend gab es bereits Besprechungen der Mitte-Links-Parteien, um mit einer gemeinsamen Liste eine „Alternative zu Netanyahu“ zu schaffen, oder wie es in den Nachrichten etwas flapsiger heißt: „Alles nur nicht Bibi“. Labor, Yesh Atid, Hanuta, Kadima, and Meretz, so lautet die Aufstellung von Fraktionschef Isaac Herzog.

Das neue Dreamteam???


Tzipi Lini hielt mit ihrer Meinung dann auch nicht hinter dem Berg. „Die Öffentlichkeit muss über diese Dinge informiert sein, denn am Ende des Tages wählen wir die Person, die im Sessel des PM sitzen wird.“

Der wankende König seinerseits versucht noch zu retten, was er glaubt, retten zu können. Er fordert die verbliebenen Yesh Atid Abgeordneten auf, sich mit ihm zu verbünden und mit ihrer Partei zu brechen. Und versucht gleichzeitig wieder bei den ultrareligiösen Boden gutzumachen. 

Moshe Kahlon, der Gründer der noch namenlosen Partei könnte, wenn es dumm läuft, ein Opfer der Bürokratie werden. Auf den kurzen Punkt gebracht: etablierte Parteien haben bessere und leichtere Zugriffe auf staatliche Kredite und Unterstützungen. Eine gerade erste gegründete Partei ist davon abhängig, dass der private Dauertropf unermüdlich rinnt. 
Am Ende wird es so sein, wir tauschen nicht wirklich, wir korrigieren vielleicht ein wenig!
Bleibt also eigentlich nur das, was ich heute als wirklich zutreffenden Beleg des Britischen Humors gelesen haben. 

„Gentlemen, the good message is, we are going to change our underwear today. But the bad message is: we change it to each other.”

Am 17. März werde ich hier das Wahlergebnis bekanntgeben!