Montag, 17. November 2014

Alles schon mal dagewesen!

ב"ה



Noch bevor die Nürnberger Rassegesetze in Kraft traten (15.09.1935), verlangte das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (07.04.1933) vom Antragsteller den „arischen Ahnenpass“ bis zurück zu den Großeltern. Dieser umfasste sieben Geburtsurkunden (die eigene – Eltern – Großeltern) und drei Heiratsurkunden). Wollte man gar den eigenen Bauernhof dem Reichserbhofgesetz (29.09.1933) unterstellen, oder strebte bei der SS eine höher Charge an, so musste man den „großen Ariernachweis“ erbringen, der die Abstammungspapiere – auch die der Ehefrau bis zum Jahr 1800, in einigen Fällen sogar bis 1750 verlangte. 

Arier, Mischlinge, Halb-und Vierteljuden....


Einige evangelische Kirchengemeinden trugen das ihre zu Vervollständigung der Listen bei: sie meldeten in vorauseilendem Gehorsam Täuflinge mit jüdischen Wurzeln an die Behörden. 

Besonders hervorgetan hat sich in der akribischen genealogischen Forschung, die nur ein Ziel hatte, Juden zu finden, die nicht auf den ersten Blick als Juden erkennbar waren, Achim Gercke, der sich bereits ab 1925 intensiv diesem Thema widmete. Bis 1932 hatte er eine Kartei mit mehr als 400.000 Namen zusammengestellt, die zuerst unter dem Namen „Archiv für berufsständische Rassenstatistik“ und ab 1931 als „NS-Auskunft“ bekannt wurde. 

Gemeinsam mit anderen Nazi Schergen wurde er zum spiritus rector einiger Teilbereiche der Rassegesetze. 

Im Januar 1935 endete seine nationalsozialistische Karriere. Ob auf Grund beweisbarer Fakten oder durch Denunziation ist unbekannt, wurde er nach § 175 verhaftet und aller Ämter enthoben.

Ob die Listen jemals die Grundlage für die Deportationen darstellen, ist historisch nicht belegt. 

Der gelbe Judenstern, das in den Reisepass eingestempelte „J“ und die in den Unterarm tätowierten Nummern sind die Kennzeichen, die während der Zeit der Nationalsozialisten im Deutschen Reich für alle Juden, und für alle Inhaftierten in den KZs vorgeschrieben waren. 





Die Kennzeichnungspflichtig ist schon viel älter.



Aber warum gerade die Farbe Gelb? Ich assoziiere mit Gelb: Sonnengelb, Butterblumengelb, Dottergelb, Goldgelb, Sonnenblumengelb, Zitronengelb, Safrangelb, Quietscheentchengelb…..

Ich lehne alle anderen Konnotationen ab, sie werden möglicherweise das Geheimnis jenes Kalifen bleiben, der die Farbe erstmals auswählte. 

Und nun kommt der große Sprung ins Jahr 2014.

Mit Datum vom 16.10.2014 stellt Dennis Giemesch, Ratsvertreter der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ eine Anfrage beim Stadtrat Dortmund. Er verlangt eine exakte Auflistung aller Bürger jüdischen Glaubens in Dortmund und in welchem Stadtteil sie leben. Als Begründung schreibt er: „Um einen angemessenen Umgang mit allen Religionen zu finden ist es notwendig, deren Bedeutung in unserer Stadt herauszufinden.  Für unsere politische Arbeit ist daher die Zahl der in Dortmund lebenden Menschen jüdischen Glaubens relevant.“

Was die Verfasser dieser perfiden Anfrage mit „angemessenem Umgang“ meinen, möchte ich lieber nicht wissen. 

Auf ihrer Facebook Seite halten sie sich nicht so bedeckt: 

In den "Ruhr Nachrichten" beschwert sich die Stadtverwaltung über die Menge der parlamentarischen Initiativen, mit denen DIE RECHTE und die nationale Ratsgruppe den Stadtrat bereichern. Offenbar ist den Blockparteien so eine Arbeitsmoral neu. Es wird Zeit, sich daran zu gewöhnen - der Druck von rechts trägt erste Früchte und mit der Harmonie von CDU, SPD, Grünen, Linken, FDP und Co ist es endgültig vorbei!

Die "Ruhrbarone" berichten über unsere parlamentarische Arbeit. Natürlich versuchen die Schlagzeilenjäger alles in ein skandalträchtiges Licht zu rücken. Dabei sorgen wir uns vielleicht einfach nur um die Sicherheit unserer Mitbürger, wenn beispielsweise Stellvertreterkriege von Konflikten im Nahen Osten in unserem Land stattfinden und wollen eine städtische Analyse, um zu erkennen, wie viele Menschen potentiell bedroht sein könnten...

Es sind also Gutmenschen, die sich um "unsere Sicherheit" sorgen und verhindern wollen, dass wir durch Stellvertreterkriege, die sich auf Konflikte im Nahen Osten beziehen, potentiell bedroht werden.

Gleichzeitig wurde eine Anfrage an den Stadtrat gestellt, die sich mit „Förderungen im Rahmen des Aktionsplans gegen Rechtsextremismus“ auseinandersetzen soll. In der Begründung der Anfrage heißt es: „Trotz leerer Kassen gönnt sich die Stadt Dortmund den zweifelhaften Luxus, missliebige Meinungen durch einen “Aktionsplan gegen Rechtsextremismus” zu bekämpfen. Um das Ausmaß dieser Steuergeldverschwendung zu erkennen, ist es unvermeidlich, eine detaillierte Auflistung der einzelnen Kostenpunkte zu erhalten.“

Sehe nur ich da einen Widerspruch???

Etwas ausführlicher erläuterte Stefan Reuters, Pressesprecher der Rechten die Hintergründe der Anfrage. „….Ereignisse im Sommer 2014 zeigten. Damals kam es beispielsweise bei einer Kundgebung in Essen zu wechselseitigen Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Jugendlichen und radikalen Zionisten. Um diese Situation einschätzen zu können und Vorkehrungen zu treffen, wie etwa einen besonderen Schutz für gefährdete Personengruppen zu ermöglichen, will DIE RECHTE zunächst Fakten über die Bedeutung der jeweiligen Gruppe im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung. Weitere Anfragen von uns, welche unter anderem die Zahl von Muslimen, Hinduisten und Buddhisten in Dortmund zum Gegenstand haben werden, sind für die nächsten Ratssitzungen ebenso vorgesehen. Tatsächlich sind faktische Zahlen aber auch notwendig, um etwa die Menge staatlicher Fördergelder, die in Deutschland praktizierende Religionsgemeinschaften erhalten, angemessen einschätzen zu können. Die Frage nach der Zahl der in Dortmund lebenden Juden ist deshalb, entgegen den permanenten, einseitigen Beteuerungen der Presse, nicht etwa eine Provokation, sondern ein ganz normaler, parlamentarischer Vorgang, der bei anderen Religionsgemeinschaften sicherlich nicht für vergleichbare Aufregung sorgen würd und lediglich zeigt, dass DIE RECHTE den Wählerwillen einer aktiven Arbeit in den jeweiligen Gremien umsetzt.“

Da verwundert die Frage von Dennis Giemesch schon gar nicht mehr: Ich weiß überhaupt nicht, was die ganze Aufregung soll. Man wird doch wohl noch fragen dürfen…

Sehr aufschlussreich ist auch ein Satz aus seinem eigenen Blog: „Wenn es unsere Intention gewesen wäre jüdische Menschen durch eine Anfrage an die Verwaltung zu kritisieren, bzw. verbal zu attackieren, dann hätten wir das effektiver tun können. Wir hätten auf aktuelle Völkerrechtsverstöße des israelischen Staates hinweisen, oder auf die Weigerung Israels, UN Beobachter einreisen zu lassen um Verbrechen Israels im Gazakrieg aufzudecken, hinweisen können. Das haben wir aber nicht getan! Wir haben die Anfrage so minimal wie möglich gehalten und die zwei Fragen – wertfrei – gestellt.“

Dass einer der Rechten einen Online Shop mit dem nomen est omen Namen „antisem.it“ erstaunt mich auch nicht mehr. Dass dieser Shop ein italienisches Internetkürzel hat, dürfte wohl nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme sein, nicht mit den deutschen Gesetzen in Konflikt zu kommen…Sondern auch ein, nicht auf den ersten Blick erkennbares Wortspiel.

SS - Siggi

Der neue Stadtrat - Dennis Giemesch


Die Partei „Die Rechte“ wurde bei den letzten Kommunalwahlen in Mai mit einem Sitz in den Stadtrat gewählt. Zunächst hielt Siegfried Borchardt (Spitzname “SS-Siggi”) Einzug in das Rathaus, zog sich aber im Sommer aus der aktiven Stadtpolitik zurück. Möglicherweise, um sich wieder vermehrt seinem „Lieblingskind“, der Borussenfront  zu widmen. Der in der rechtsextremen Szene verankerte „Fanclub“ von BvB zeichnete sich besonders dadurch aus, Ausländer im Stammquartier der Borussen zu jagen und anzugreifen. Die Gruppe war auch in der Hooligan Szene gut vernetzt. Borchardt wurde mehrfach wegen szenetypischer Vergehen verurteilt: Körperverletzung, Tragen und Verbreiten von verbotenen Symbolen, Nötigung… Vom Verfassungsschutz wird er als Rechtsextremist eingestuft, dessen Bedeutung aber auch NRW beschränkt ist.

Sein Nachfolger wurde Dennis Giemesch, der Anführer der mittlerweile verbotenen Nazi-Kameradschaft Nationaler Widerstand Dortmund. Nach ihrem Verbot formierte sie sich teilweise neu in der rechtsextremen Partei  „Die Rechte“. Giemesch gilt als Schlüsselfigur der rechtsextremen Szene in NRW, der er meisterlich versteht, den schmalen Grat des Legalen entlang zu gehen und rechtlich nur schwer zu fassen sei.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau reagierte unmittelbar nach Erhalt der Anfrage, in einer Pressemitteilung.

(…)
 „Jüdisches Leben bereichert seit Jahrhunderten in Deutschland und in Dortmund das gesellschaftliche Miteinander und hat vielfältige und nachhaltige Spuren hinterlassen.
Das Nazi-Terrorregime hat die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in den 1930-er und 1940-er Jahren systematisch verfolgt, versklavt und umgebracht. 2078 Jüdinnen und Juden allein aus Dortmund fanden zwischen 1933 und 1945 den Tod. 

Trotz des Holocaust-Verbrechens haben Menschen jüdischen Glaubens wieder Vertrauen gefasst in ein respektvolles, friedliches und von Toleranz getragenes Zusammenleben hier und anderswo in Deutschland. Die jüdische Gemeinde Dortmund hat mit etwa 3.700 Mitgliedern inzwischen wieder eine Stärke erreicht, die in der Nähe derjenigen liegt, die sie vor der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte hatte. Wir freuen uns über jedes Kind, jede Frau und jeden Mann jüdischen Glaubens, der hier in Dortmund mit uns zusammen leben will. 

Vor diesem Hintergrund ist die Anfrage der Nazis ein Vorgang, der von einem unerhörten menschenverachtenden, antisemitischen und rassistischen Ungeist zeugt. Der Vorgang zeigt uns, dass der Schoß noch immer fruchtbar ist und wir keine Sekunde in unserer Aufmerksamkeit nachlassen dürfen.

(…)

MdB Steffen Kanitz, Vorsitzender der Dortmunder CDU nennt die Anfrage eine "unverhohlene Drohung gegen jüdische Menschen in Dortmund".

Dieter Graumann, der Präsident des ZdJ nennt die Anfrage: abscheulichen und perfiden Antisemitismus“ und appellierte an die Dortmunder Regierenden: „einem solch widerwärtigen Menschenhass keinen Platz in der Westfalenmetropole zu geben. Diese Vorfälle zeigen wieder einmal, dass Rechtsextreme nichts in unseren Parlamenten zu suchen haben. Sie gehören verachtet und verboten“.

Der Borsigplatz heute

Mein Lieblings Fußballverein, der sich derzeit auf internationalem Parkett (Champions Leagues, Gruppe D, Platz 1, 12 Punkte) wunderbar schlägt, schwächelt in der Bundesliga. Dort dümpelt der BvB nach zwölf Spielen auf Platz 15, gerade noch vor dem ersten Abstiegsticket….



Ich kenn das noch, je  nachdem, ob das Spiel gewonnen oder verloren war, fuhr der Konvoi rechts- oder linksrum über den Borsigplatz. Aber die Geschichte erzählt noch mehr.
BvB wurde hier 1909 gegründet und gab die Nähe zu diesem Quartier, nahe der Westfalenhütte nie ganz auf. 

Die Gründungsmannschaft von BvB 09


An der Stelle des heutigen Hoeschparks befand sich auch das erste Stadion des Vereins, die Weiße Wiese. Um den Park bauen zu können, enteigneten die Nationalsozialisten den Fußballverein in den 1930er Jahren ohne Entschädigung, die Spiele mussten fortan im Stadion Rote Erde des bürgerlichen Südens ausgetragen werden.




Im Oktober dieses Jahres wurden sie für ihr Engagement mit dem vom DFB gestifteten Julius Hirsch Preis ausgezeichnet. In der Laudatio heißt es, dass der Fußball lange gebraucht habe, um sich der dunklen Stellen in seiner Geschichte zu erinnern.

Julius Hirsch wurde 1914 mit seinem Verein, der Spielervereinigung Fürth Deutscher Meister, leistete danach seinen Wehrdienst und wurde mit dem EK I ausgezeichnet. 1933 wurde er aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen. Sein letztes Lebenszeichen stammt vom 03. März 1943. An dem Tag hat er eine Postkarte an seine Tochter Esther aus dem Zug geworfen, danach verliert sich seine Spur. Am Tag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, heute spricht man gerne vom Tag der Befreiung, dem 08. Mai 1945 wird er für tot erklärt.

Julius Hirsch und Gottfried Fuchs waren die einzigen Juden, die in einer deutschen Nationalmannschaft je gespielt haben. 





Ich habe in Dortmund bis zum Abitur im Jahr 1974 gelebt.  Als Ex-Dormunderin möchte ich
neben dem Dortmunder OB Ullrich Sierau, der ganz klar und sehr schnell seine Position bezog,  auch dem BvB danken: „Danke, dass ihr euch gegen jede Art der Ausgrenzung wendet."



Mittwoch, 12. November 2014

Und die Welt schaut wieder einmal zu…………….

ב"ה


Im letzten Monat wurden mehr Israels Opfer von Terrorattacken, als in den vergangenen zwei Jahren.

Netanel Roi Arami stürzte vom 11. Stock eines Baugerüstes, nachdem beide Sicherheitsleinen vorsätzlich gelöst worden waren.
 
Sergeant Almog Shiloni wurde erstochen

Dalia Lemkus wurde erstochen 

Der drusische Offizier der Grenzsicherheit Jadan Assad wurde überfahren

Shalom Baadani wurde während des gleichen Anschlages überfahren


Die drei Monate alte Haya Zissel Braun wurde durch den Aufprall eines Autos aus dem Kinderwagen geschleudert und verstarb in Folge schwerer Kopfverletzungen

Die aus Ecuador stammende Karen Mosquer wurde während des gleichen Anschlages überfahren

Bitte beachten: die nachfolgenden Zitate sind kursiv geschrieben

Jörg Todenhöfer, selbsternannter Israelkenner und Hamasversteher kann wirklich nicht von sich behaupten, dass sein Lebensweg immer geradlinig verlaufen sei. Von 1972 – 90 war er MdB in der CDU, er war über Jahre hinweg entwicklungspolitischer und abrüstungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. In den 80er Jahren war er aktives Mitglied der „Stahlhelmfraktion“. Was auch immer hinter dieser ominösen Gruppe steht – angeblich ist das nur ganz harmlos die Bezeichnung für den rechten, promilitärischen Flügel der CDU, geschmacklos ist der Name allemal. Bis 2008 war er stellvertretender Vorsitzender des Burda Medienkonzerns. Die Kriegs- und Krisengebiete der Welt stellen einen besonderen Reiz für ihn dar. Spektakulär war sein Besuch bei Assad 2011. Rafik Schami, ein syrisch-deutscher Schriftsteller schreibt dazu: „Und was ist daran so schlimm, dass sie als Prominente aufklären wollen? Gar nichts. Aufklärung ist immer gut. Aber wenn der Prominenz-Faktor zur Blendung führt und zur Akzeptanz einer von Fehlern, Rassismus und Falschheit getränkten Berichterstattung, so ist das nicht akzeptabel. Verblendung gepaart mit Eitelkeit ist gefährlich. Verblendung nicht nur gegenüber einer Diktatur, sondern auch gegenüber deren Gegnern.“

Am 09. November verbreitete er wieder einmal seine Dummheiten zu Israel, den Palästinensern und Gaza:

Liebe Freunde, Netanjahu kapiert es nicht. Was in Palästina gerade an Entsetzlichem geschieht, ist ein Aufstand entrechteter, gedemütigter, verzweifelter Gefangener. Gegen das Eingemauert sein in Gaza, dem größten Open-Air-Gefängnis der Welt. Gegen die 8.000fache Inhaftierung palästinensischer Kinder seit dem Jahr 2000. Meist wegen Steinewerfens. Gegen die 440 Kilometer langen, bis zu acht Meter hohen Mauern der Westbank, die die Palästinenser in ihren Städten und Dörfern wie Tiere einpferchen. Und ihre Felder zerschneiden. Und gegen die 500 demütigenden Schikane-Checkpoints von Palästina.

Gegen die täglichen Provokationen an den heiligen Stätten der Muslime in Jerusalem. Gegen die verbotenen und trotzdem vom israelischen Militär geschützten Provokationen in Hebron. Dort befindet sich Abrahams Grab-Moschee. Jeden Samstag ziehen israelische Siedler gesetzwidrig durch die Altstadt, um den Palästinensern zu zeigen: 'Hebron holen wir uns auch noch!' Ich habe im August eine solche kafkaeske Gespenster-Demo miterlebt.

Zu Unrecht Gefangene pflegen sich zu wehren. In Palästina zu Recht. Völlig inakzeptabel ist selbstverständlich, wenn dabei israelische Zivilisten getötet werden. Doch das hat Israel den Palästinensern in Gaza, auf der Westbank und in Jerusalem leider ständig vorgemacht. Mit "Kriegsverbrechen", wie Amnesty International mit großer Deutlichkeit sagt. Seit der 2.Intifada wurden rund 850 Israelis getötet, aber über 9.500 Palästinenser.

Niemand lässt sich auf Dauer einmauern und immer wieder in den Staub treten. Auch die gequälten Juden haben im Warschauer Getto irgendwann gegen ihre Gefangenenwärter zur Waffe gegriffen. Um ihre Würde zu verteidigen. Obwohl der Aufstand blutig niedergeschlagen wurde, sind sie heute stolz darauf. Zu Recht.

Wenn Israelis in Gaza gefangen wären, acht Meter hohe Mauern um ihre Dörfer und Städte stünden und sie als Menschen zweiter Klasse behandelt würden, würden sie sich auch erheben und kämpfen. Deshalb mein Appell an die israelische Regierung: "Behandelt die Palästinenser endlich so, wie Ihr selbst behandelt werden wollt". Sonst gibt es wieder Krieg. Weil die israelische Politik gegenüber den Palästinensern ein einziges Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Auch ein Verbrechen gegen die unbestreitbar große kulturelle Tradition des Judentums.

(…)

Ministerpräsident Netanjahu hat gerade wieder mal die Zerstörung der Häuser von Urhebern "terroristischer" Anschläge in Ost-Jerusalem angeordnet. Was wäre, wenn Palästinenserpräsident Abbas die "Zerstörung aller Häuser der Urheber der terroristischen israelischen Anschläge auf Gaza" anordnen würde?? Würde da nicht auch ganz Israel aufschreien? Zeigt das nicht den totalen Irrsinn dieser Politik?

Heute feiert Deutschland den Mauerfall vor 25 Jahren. "Herr Netanjahu! Lassen Sie die Häuser der Palästinenser stehen! Sie haben bereits genug Häuser zerstört. Reißen Sie stattdessen die gottlosen Mauern von Palästina nieder! Was unter sowjetischer Besatzung eine Schande war, ist auch unter israelischer Besatzung eine Schande."
Euer JT

In einem Interview im Kölner Stadt Anzeiger am Beginn der Operation "Fels in der Brandung" argumentiert er recht nonchalant auf die Frage, ob die Besorgtheit der Israelis übertrieben sei: „Nein. Ich habe in Israel drei Mal einen Beschuss aus Gaza erlebt. Auch ich wäre als Israeli beunruhigt, wenn meine Stadt mit großen oder kleinen Geschossen beschossen würde. Aber die werden meistens entweder durch den israelischen „Iron Dome“ in der Luft zerstört oder zerschellen irgendwo. Die Israelis verwenden unvergleichbar schwerere und präzisere Raketen. Wenn die einschlagen, bebt die Erde. Da werden ganze Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Ich will mich hier nicht auf die Frage einlassen, wer mit dem Wahnsinn angefangen hat. Aber das ist hier ein völlig ungleicher Kampf. Die Israelis treffen und zerstören, die Hamas-Geschosse landen meist irgendwo im Umland von Städten und Siedlungen. Aber auch das hat Wirkung: Es verbreitet Angst.“



Michael Dickson (Stand with us) erlaubt sich, die Frage zu stellen: 

„Das Gebäude wurde bombardiert. Vielleicht war es ein Terroristengebäude, vielleicht war es ein ziviles Gebäude, von dem Raketen abgefeuert, wir wissen es nicht. Die IDF weiß es... Also, hier ist die Frage:
 
Das Gebäude wurde zerstört. Wieso ist der Kinderwagen intakt? Wie kann da eine nagelneue, nicht mal leicht verdreckte Puppe liegen? Wie kann ein Kinderbuch und ein Teddy genau an der Stelle sein, wo du gerade sitzt?
Jürgen, sag uns: War das Foto gestellt? Wusstest du das? Vielleicht hattest du damit ja gar nichts zu tun? Jürgen, das ist wichtig. Das ist ein Konflikt der beide Seiten betrifft aber Fake-Bilder und Propaganda helfen da nicht weiter. Und danach sieht das hier aus. Ich rede das Leid der palästinensischen Zivilisten nicht herunter. Sie werden von der Hamas als Schutzschilde missbraucht und müssen die fürchterlichen Konsequenzen tragen.
Wir haben von palästinensischen Aktivisten aber eine Menge Bilder aus Syrien online gesehen, jede Menge Fake-Propaganda. Also Jürgen, wie erklärst du dieses Foto?“

Und erhält darauf folgende Antwort:

„Das Foto des zerbombten Hauses in Gaza hat Diskussionen ausgelöst. Das war erwünscht. Wir werden daher am Wochenende weitere Fotos aus Gaza veröffentlichen. Die Realität und das Leid in Gaza sind viel größer als manche Kriegsfreunde zugeben wollen.“

Ebenfalls am 09.November twitterte Staatschef Ajatollah Ali Chamenei, wie er sich die „Eliminierung Israels in 9 Punkten“ vorstellt:


Das künstliche zionistische Regime habe es in den 66 Jahren seines Bestehens nicht geschafft, seine Ziele zu erreichen. Um allen Morden, Verfolgungen, Massakern etc. nun endlich ein Ende zu setzen, müsse das Regime eliminiert werden. Dazu hat die Islamische Republik  einen praktischen und logischen Vorschlag parat.

1-3 Mit allen Ureinwohnern Palästinas, also all jenen, die bereits vor 1948 im Land lebten, gleich welcher Religion und Ethnie wird ein Referendum durchgeführt. Eingeladen dazu sind auch alle Ureinwohner, die derzeit nicht im Land leben.
3 Alle später nach Palästina „gelockte“ Bürger sind vom Referendum ausgenommen.
4 Die anschließend neu gewählte Regierung wird entscheiden, ob nicht palästinensische Immigranten im Land bleiben dürfen, oder in ihre Heimatländer zurückkehren müssen.
5 Dieser logische und faire Plan ist für die Weltbevölkerung verständlich und wird von allen unterstützt werden. Man geht davon aus, dass der Plan von den „zionistischen Usurpatoren“ abgelehnt wird, woraufhin die Staaten, Regierungen und Widerstandbewegungen gefordert sein werden.
6 Bewaffneter Widerstand sei dann die einzige „Kur gegen das verderbliche Regime“
7 Das WJL muss ebenso wie Gaza bewaffnet werden, jeder den das Schicksal der Menschen dort berührt muss dazu beitragen.
8 Vorgeschlagen wird, dass weder ein klassischer Krieg durch die muslimischen Länder begonnen wird und auch die eingewanderten Juden nicht ins Meer geworfen werden. Auch eine Schlichtung durch die UN oder andere Organisationen wird abgewiesen.
9 Jeder Kompromiss wird abgelehnt. Nicht der Beschuss aus Gaza hat Israels Verbrechen ausgelöst. Arafat wurde von Israel vergiftet, obwohl er die meisten Kontakte hatte. Das ist Beweis genug, dass Israel „Frieden“ nur als Trick für weitere Verbrechen und weitere Besatzung dient. 

Ja, so löst man die Probleme höchst elegant!




PM Benjamin Netanyahu antwortete gestern:

Es gibt Berichte, dass die P5+1 Staaten unmittelbar vor dem Abschluss eines Deals mit dem Iran bezüglich dessen Nuklearprogramm sind. Ich habe mein Büro angewiesen, den Außenministern der  P5+1 Staaten einen Brief zu senden. In diesem Brief habe ich den Staatschef Ayatollah Khamenai wörtlich zitiert. 

Der Führer dieses Staates, der manchmal als moderat beschrieben wird, der Islamische Staat Iran, sagte in den vergangenen 48 Stunden: erstens, dass er zur Eliminierung Israels – seine Worte, nicht meine – aufruft, zweitens, gab er neun Wege und Gründe an, wie und warum Israel eliminiert werden solle – seine Worte, nicht meine. Er ruft öffentlich zur Eliminierung Israels auf, während er gleichzeitig einen Deal  mit den P5+1 Ländern über das Nuklearprogramm hält. 

Es gibt keine Mäßigung im Iran. Iran ist halsstarrig, ohne Reformen, er ruft auf zu Ausrottung Israels, er fördert den internationalen Terrorismus, und, wie der IAEA Bericht gerade sagte, er täuscht die internationale Gesellschaft über seine Nuklearwaffenprogramm. Das Terrorregime im Iran darf auf keinen Fall eine Nuklearmacht werden. 

Ich rufe  den P5+1 Ländern zu: verrennt euch nicht in einen Deal der dem Iran die Bombe ermöglicht!


Doch damit nicht genug der Aufregungen rund um den 09. November. Schlussendlich gibt es ja mehrere Gründe, den Tag zu begehen, zu feiern, seiner zu gedenken.
1799 beendet Napoleon Bonaparte die Französische Revolution
1918 Max von Baden verkündet die Abdankung von Kaiser Wilhelm II
1930 in Österreich finden die letzten Nationalratswahlen der ersten Republik statt
1938 Reichsprogromnacht
1989 Fall der Berliner Mauer

Gregor Gysi wird von  zwei selbsthassenden Juden, David Sheen und Max Blumenthal quer durch den  Bundestag gehetzt. Dass er, nachdem er sich nur mühsam hinter einer Tür im WC hat verbarrikadieren können, von einer Anzeige absieht mag seinem freundlichen Charakter geschuldet sein.

Die zwei Journalisten,  beide dem BDS sehr nahe stehend, sahen sich wohl noch im Recht, als sie Gysi massiv angriffen.

Ein weiteres Highlight liefert heute die Al Kuds Universität in Jerusalem.  Sie bringt, passend zum Thema der letzten Tage eine Ausstellung mit dem Titel: Hit-and-run-Terror Akte.



In den vergangenen Wochen gab es bei uns zahlreiche Opfer des palästinensischen Terrors. Wir haben uns nicht gewehrt, wir haben nicht zurück geschlagen.

Wie lange müssen wir noch still halten?